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	<title>What&#039;s Next? Blog</title>
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	<description>A MATTER OF FACT IN A WORLD OF VALUES</description>
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		<title>Oubey Encounter 3 &#8211; &#8220;Ein unverschämtes Bild&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 07:21:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ulrike reinhard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Statements]]></category>
		<category><![CDATA[mindkiss]]></category>
		<category><![CDATA[OUBEY]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter Kruse nahm im Januar 2010 an der zwölfteiligen Filmserie „Encounters with OUBEY“ teil. Mit den Encounters ermöglicht das MINDKISS Projekt den Besuchern von oubey.com einen ungewohnten, sehr persönlichen und unmittelbaren Zugang zur Kunst von OUBEY.
OUBEY, der in jungen Jahren unerwartet bei einem Autounfall ums Leben kam, schuf freiwillig und abgeschottet von der Öffentlichkeit, in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Peter Kruse nahm im Januar 2010 an der zwölfteiligen Filmserie <a href="http://www.oubey.com/de/inside/encounters">„Encounters with OUBEY“</a> teil. Mit den Encounters ermöglicht das <a href="http://www.oubey.com/de/mindkiss/story">MINDKISS Projekt</a> den Besuchern von<a href="http://www.oubey.com/de/mindkiss/story"> oubey.com</a> einen ungewohnten, sehr persönlichen und unmittelbaren Zugang zur Kunst von OUBEY.</p>
<p>OUBEY, der in jungen Jahren unerwartet bei einem Autounfall ums Leben kam, schuf freiwillig und abgeschottet von der Öffentlichkeit, in 25 Jahren ein unverwechselbares, facettenreiches Werk. Unbeeinflußt vom Kunstbetrieb entstanden in denkbar größter innerer und äußerer Freiheit mehr als 1000 Bilder von frappierender, schöpferischer Kraft, die bis dato nie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Das Projekt MINDKISS verwirklicht nun seinen Plan posthum und öffnet die Tür zu dem verborgenen Schatz, den er geschaffen hat. </p>
<p><span id="more-338"></span></p>
<p><a href="http://www.oubey.com/de/inside/encounters">Ueber die Idee der Encounter</a></p>
<p>Menschen verschiedenster Professionen, Generationen und Kulturen begegnen einem Bild von OUBEY, das sie entweder bei sich zuhause oder an ihrem Arbeitsplatz „als Gast“ empfangen. Was sie während dieser Begegnung erleben, empfinden und assoziieren, wird in den kurzen Filmen festgehalten und anderen Menschen zugänglich gemacht. So entsteht ein neues Erlebnisfeld der Kunstbetrachtung, das vollkommen frei ist von jeglichem Anspruch auf Expertentum. Wer hier eine Bewertung oder Interpretation von OUBEYs Kunst nach den Regeln des Kunstbetriebs erwartet, wird enttäuscht sein. In der Unmittelbarkeit der individuellen Begegnung gibt es kein „gut“ und kein „schlecht“. Es gibt nur das, was sich spontan entwickelt, wenn ein Bild von OUBEY in Kontakt kommt mit den Augen, den Gefühlen und den Gedanken eines Menschen, der sich mit Themen und Fragen beschäftigt, die auch für OUBEY und den Entstehungsprozess seiner Kunst bedeutsam waren.</p>
<p>Encouter mit Peter Kruse</p>
<p><object width="640" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/oAPIz0H4cEU&amp;hl=en_US&amp;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/oAPIz0H4cEU&amp;hl=en_US&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="640" height="385"></embed></object></p>
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		<title>Enquete-Kommission: Internet und digitale Gesellschaft</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 13:46:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ulrike reinhard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Studien]]></category>

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		<description><![CDATA[Beitrag zur öffentlichen Anhörung am 5. Juli 2010 
„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.”
Antoine de Saint-Exupéry
Vorbemerkung
Der Mehrwert einer Expertenanhörung ist um so größer, je unterschiedlicher die eingebrachten Teilperspektiven sind und je klarer zwischen persönlicher Meinungsäußerung und faktengestützter Einschätzung unterschieden wird. Die im Folgenden zusammengefassten Thesen zu den „Auswirkungen der Digitalisierung auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beitrag zur öffentlichen Anhörung am 5. Juli 2010 </p>
<p><em>„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.”<br />
Antoine de Saint-Exupéry</em></p>
<p><strong>Vorbemerkung</strong></p>
<p>Der Mehrwert einer Expertenanhörung ist um so größer, je unterschiedlicher die eingebrachten Teilperspektiven sind und je klarer zwischen persönlicher Meinungsäußerung und faktengestützter Einschätzung unterschieden wird. Die im Folgenden zusammengefassten Thesen zu den „Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft“ sind ausschließlich aus dem Blickwinkel psychologischer und systemtheoretischer Erkenntnisse formuliert. Für ein Aufgreifen rechtlicher oder technischer Aspekte fehlt mir persönlich die notwendige Tiefe fachlicher Kenntnisse. Die weiter unten ausgeführten 10 Thesen basieren einerseits auf den Resultaten einer Reihe empirischer Studien, die wir in den letzten Jahren für verschiedene Auftraggeber aus Wirtschaft und Gesellschaft durchgeführt haben sowie andererseits auf Beobachtungen bei der konkreten Begleitung von Unternehmen und Organisationen im Umgang mit den neuen Medien. Bei den empirischen Studien ging es nicht um die Erfassung von bereits laufenden Verhaltensänderungen, sondern um das frühzeitige Aufspüren von Trends und Tendenzen in der Entwicklung der kulturellen Wertvorstellungen, die zukünftigen Verhaltensänderungen zu Grunde liegen. Der Versuch, Zukunft vorherzusagen, ist je sicherer zum Scheitern verurteilt, je mehr die Komplexität und Dynamik von Entwicklungen anwächst. Da die Digitalisierung einer der Haupttreiber für Prozess-beschleunigung und Interaktionsdichte ist, trägt sie selbst nicht unwesentlich zur Erschwerung einer seriösen Abschätzung der entsprechenden Technologiefolgen bei. Zudem ist bezogen auf die Digitalisierung ein Rückgriff auf Erfahrungswerte nahezu unmöglich, da bislang noch keine andere technologische Innovation eine vergleichbare Durchdringungsgeschwindigkeit und Alltagsreichweite gehabt hat. Was bleibt, ist der Rückzug auf die differenzierte Betrachtung gegenwärtig existierender oder sich bildender Einstellungen und Wertmaßstäbe der gesellschaftlichen Akteure. Das Wissen um die aktuellen Präferen-zen der Menschen, die die Zukunft gestalten, liefert noch am ehesten Aussagen über mögliche Auswirkungen.</p>
<p><span id="more-334"></span></p>
<p>Vor der Darstellung der Thesen aus psychologischer und systemtheoretischer Sicht sei darüber hinaus noch eine formale Anmerkung gestattet: Eigentlich hätte es sich doch angesichts des Themas der Expertenanhörung angeboten, die Anmerkungen und Stellungnahmen unter Nutzung von interaktiveren Instrumenten zu generieren. Das Abgeben einer Textdatei bleibt weit hinter den Möglichkeiten der neuen Medien zurück. Vielleicht ist es im weiteren Vorgehen möglich, nicht nur schriftlich verfasste Einzelperspek-tiven zu sammeln, sondern bereits im Vorlauf zur öffentlichen Anhörung kollektive Antworten in Wikis entstehen zu lassen und die Sichtweisen durch Video-Statements anzureichern. Auf diesem Wege ließen sich sicherlich unnötige Redundanzen vermeiden und die Entstehung eines Gesamteindrucks für die Kommission begünstigen.</p>
<p><strong>10 Thesen:</strong></p>
<p>1. Die emotional geführte Debatte um die negativen persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der digitalen Medien ist Ausdruck der ganz normalen Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien.</p>
<p>2. Die angeblich durch die digitalen Medien ausgelöste Überforderung durch Informationsüberflutung ist eine Frage der Bewältigungsstrategien und nicht Folge des Erreichens prinzipieller Kapazitätsgrenzen.</p>
<p>3. Aufgrund des im Internet realisierten strukturellen und funktionalen Entwicklungsstandes entsteht ein generell wachsendes Bedürfnis der Menschen, sich aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen. </p>
<p>4. Durch die enorme Vernetzungsdichte, die hohe Spontanaktivität der Nutzer und die Existenz länger kreisender Erregungen besteht im Internet eine hohe Auftretenswahrscheinlichkeit für Lawinen-Effekte.</p>
<p>5. Mit der Möglichkeit des spontanen Entstehens von Massenbewegungen durch Resonanzbildung in den sozialen Netzwerken verlagert sich die Macht grundlegend von den Anbietern auf die Nachfrager.</p>
<p>6. Durch die enorme Zunahme der Nutzerzahlen und die Angleichung der Altersverteilung der User an die Gesamtbevölkerung wird die Internet-Dynamik zunehmend zum Spiegel von Gesellschaftsdynamik.</p>
<p>7. Die durch das Internet gesteigerte Einsichtsfähigkeit in gesellschaftliche Zusammenhänge führt in Verbindung mit dem Wissen um die Macht der Resonanzbildung zur Re-Politisierung der Öffentlichkeit.</p>
<p>8. Das erstarkende öffentliche Interesse am Spiel der Kräfte zwischen unterschiedlichen Stakeholder-Perspektiven fordert von Unternehmen und Institutionen maximale Transparenz und Nachhaltigkeit ab.</p>
<p>9. Die Machtverschiebung durch das Internet stellt eine große kulturelle Herausforderung dar für alle    Organisationen mit primär auf Systemkontrolle und Wettbewerb ausgerichteten Handlungsstrategien. </p>
<p>10. Das im Internet bestehende Missverhältnis zwischen der erlebten Flüchtigkeit von Interaktionen und der dauerhaften Speicherung hinterlassener Spuren erhöht systembedingt das Risiko von Missbrauch.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p><em><strong>1. Die emotional geführte Debatte um die negativen persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der digitalen Medien ist Ausdruck der ganz normalen Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien.</strong></em></p>
<p>Dass das Neue nicht einfach ist, ist einfach nicht neu. Die Auseinandersetzung der Menschen mit technischen Innovationen, die spürbar in den Alltag eingreifen, ähnelt keineswegs zufällig den fünf Phasen der Bewältigung bei der Diagnose einer chronischen Krankheit: Verleugnen, Auflehnen, Verhandeln, Resignation und Annahme. Natürlich ist der Vergleich des Internets mit einer chronischen Krankheit nicht wirklich passend. Der Vergleich ist eher eine unzulässige Verharmlosung. Krankheitsverläufe sind bekannt. Es gibt Beispiele, Geschichten, Wahrscheinlichkeiten. Die Unsicherheit bezieht sich nur auf den individu-ellen Fall. Beim Internet ist das anders. Hier ist die Unsicherheit ein gesellschaftliches Phänomen und konkrete Vorhersagen können angesichts fehlender Erfahrungen im Grunde nicht mehr sein, als der berühmte Blick in die Glaskugel. Bei dem Versuch einer Technologiefolgeabschätzung kommt es daher schnell zu Lagerbildungen, in denen oft die Vehemenz der Einnahme des eigenen Standpunktes den Mangel an tragfähigen Argumenten wett zu machen versucht. Je nachdem in welcher Phase der persönlichen Bewältigung des Neuen sich der jeweilige Protagonist gerade befindet, wird entweder Bedeu-tung in Frage gestellt „Kein Schwein interessiert das“ (taz.de 15.09.2007), Wertigkeit angezweifelt „Macht das Internet doof?“ (Spiegel 33/08), Reglementierung angemahnt „Warum das Internet neue Regeln braucht“ (Spiegel, 33/09), Überforderung beklagt „Mein Kopf kommt nicht mehr mit“ (Spiegel online 16.11.2009) oder volle Akzeptanz signalisiert „Eine Kulturform, die auf Begeisterung aufsetzt“ (Faz.net 18.06.2009). Die Standpunkte zum Internet beschreiben oft weniger das Phänomen als vielmehr den emotionalen Umgang damit (s. auch Kathrin Passig: Standartsituationen der Technologiekritik, Merkur 727/09). </p>
<p><em><strong>2. Die angeblich durch die digitalen Medien ausgelöste Überforderung durch Informationsüberflutung ist eine Frage der Bewältigungsstrategien und nicht Folge des Erreichens prinzipieller Kapazitätsgrenzen. </strong></em></p>
<p>Dass die Geschwindigkeit der Erzeugung neuer Informationen in der modernen Gesellschaft selbst im eng umrissenen Suchraum von Fachexperten inzwischen größer ist, als die individuelle Aufnahmefähigkeit, ist eigentlich eine Binsenweisheit. Aber mit dem Internet erreicht die Flutwelle nun ungefiltert das Alltagsleben. Ohne die ordnende Hand redaktioneller Bearbeitung und ohne die „Kanalisierung“ durch die Massenme-dien wird für jedermann spürbar, was eigentlich längst selbstverständlich ist. Im Internet verlagert sich die Aufgabe der Komplexitätsreduktion und der Bewertung radikal vom Sender auf den Empfänger. Trifft der ungefilterte Echtzeitstrom von Information, der 24 Stunden am Tag weltweit erzeugt wird, auf Rezeptions-gewohnheiten, die anhand von Rundfunk, Fernsehen und Printmedien gebildet worden sind, ist ein Gefühl völliger Überforderung unvermeidlich. </p>
<p>Das sich ergebende Bedürfnis nach Rauschunterdrückung und nach Möglichkeiten, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, hat die Suchmaschinen zur ersten wirklichen Killerapplikation im Internet gemacht. Ohne automatisches Sprachverstehen bleibt allerdings die inhaltliche Bewertung durch den einzelnen Menschen letztlich die einzig wirklich tragfähige Form der Reduktion von Komplexität. Der Vermittlung von Kompetenzen zum angemessenen Umgang mit den neuen Medien ist entsprechend die höchste gesellschaftliche Priorität einzuräumen. Ein Schulsystem, dessen pädagogische Grundausrichtung immer noch eher vertikale, fakten- und wissensorientierte Lernstrategien bevorzugt, erscheint angesichts der neuen Herausforderungen wenig angemessen. Es spricht viel dafür, gezielt Formen des Umgangs mit Information zu fördern, bei denen es mehr um die horizontale Verbindung von Fakten zu Mustern und um das Herstellen von Zusammenhängen geht. Es lässt sich leicht ermessen, welch radikales Umdenken das in einem Bildungssystem bedeutet, das immer noch glaubt, seine Leistungsfähigkeit über die Ergebnisse von Pisa-Studien nachweisen zu können. Die Effizienzkriterien industrieller Optimierung sind als Leitidee pädagogischer Arbeit in der Schule und für die Gestaltung universitärer Lernwege denkbar ungeeignet. Netzwerkintelligenz braucht die Fähigkeit zum Querdenken und zur einordnenden Bewertung von Wissen, das außerhalb des eigenen Spezialisierungsbereiches liegt. </p>
<p><em><br />
<strong>3. Aufgrund des im Internet realisierten strukturellen und funktionalen Entwicklungsstandes entsteht ein generell wachsendes Bedürfnis der Menschen, sich aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.</strong></em></p>
<p>Zugang zum Internet, jederzeit und von überall, wird immer mehr zur selbstverständlichen Erwartungshaltung der Menschen in der Gesellschaft. Ein Ausfall der Informations- und Kommunikationsnetze würde heute wahrscheinlich bereits zu ähnlicher Entrüstung führen, wie ein Stromausfall, wie Wassermangel oder wie eine Einschränkung in der individuellen Mobilität durch Mängel in der Verkehrsinfrastruktur. Zugang zum Internet entwickelt sich im Erleben der Bürger zunehmend zu einem Teil der fundamentalen Fürsorgepflicht des Staates. Gleichzeitig sorgt die neue Generation der Endgeräte, von Smartphone bis Tablet-Computer, für eine enorme Verringerung der individuellen Nutzungsschwelle. Der Zugang zum Netzwerk ist sicherlich nur noch bedingt ein Problem der individuellen Befähigung. Die Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe und die Gefahr einer digitalen Spaltung der Gesellschaft ist mehr eine Frage ökonomischer Möglichkeiten und sollte Gegenstand entsprechender Sozialleistungen werden. Die Allgegenwart eines Netzwerkes, das es jedem ermöglicht, sich schnell und aktiv in laufende Prozesse einzuklinken, beginnt ein breites Bedürfnis nach aktiver Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu erzeugen. In vielen der von uns durchgeführten Studien zum Wandel der kulturellen Wertepräferenzen in Deutschland wird deutlich, dass das Angebot der Menschen, Verantwortung zu übernehmen, inzwischen viel stärker ausgeprägt ist, als von der Seite der professionellen Anbieter wahrgenommen oder auch gewünscht wird. Ob im Bereich von Finanzdienstleistung, Medizin oder Politik, der Stern des Experten hat in der Einschätzung der Kunden, Patienten oder Wähler deutlich an Glanz verloren. </p>
<p>Die bloße Existenz des Internets erzeugt Erwartungshaltungen bezogen auf Beteiligung, die zu ignorieren, sich weder die Wirtschaft noch die Politik leisten kann. Die Entwicklung von Mehrwert stiftenden Instrumenten der Einbeziehung der Menschen in Ideenfindungs- und Entscheidungsprozesse sollte Gegenstand entsprechender Forschungsförderung sein. Die Leitfrage zu dieser Thematik wurde bereits 2006 vom Massachusetts Institute of Technology zusammengefasst: How can people and computers be connected so that – collectively – they act more intelligently than any individuals, groups, or computers have ever done before?</p>
<p><strong><em><br />
4. Durch die enorme Vernetzungsdichte, die hohe Spontanaktivität der Nutzer und die Existenz länger kreisender Erregungen besteht im Internet eine hohe Auftretenswahrscheinlichkeit für Lawinen-Effekte.</em></strong></p>
<p>Das Internet als technisches System zu verstehen, käme einer Wiederholung des Versuchs gleich, die Reichhaltigkeit des menschlichen Erlebens und Verhaltens auf die Analyse neuronaler Vorgänge im Gehirn reduzieren zu wollen. Das Internet faszinierte von Anfang an als ein soziales  Netzwerk, in dem das Geschehen mehr durch die Beteiligungsmotivation der Interaktionspartner getrieben wird, als von der Hard- und Softwareentwicklung. Der erste Internet-Boom in den 90er Jahren wurde von der Möglichkeit des schnellen, unkomplizierten und kostenlosen Informationszugangs ausgelöst. Man berauschte sich an der Vielfalt des Dargebotenen und über die Suchbewegungen der User explodierte die Vernetzungsdichte im World Wide Web. Alles wurde mit allem verlinkt. Mit dem Web 2.0 ist nun zu dieser Explosion der Konnektivität (Kanten) eine dramatische Erhöhung spontan aktiver Elemente (Knoten) im Netzwerk hinzugekommen. Die Existenz nicht-linearer Rückkoppelungseffekte wird damit immer wahrscheinlicher und die Vorhersagbarkeit von Entwicklungen nimmt ab. Zusätzlich angeheizt wird diese dynamische Charakteristik durch die Existenz kreisender Erregungen im System, wie sie von der durch die Twitter-Nutzer eingeführten „Re-Tweet“-Funktion begünstigt werden. Das Internet ist ein sich selbst organisie-rendes System, das aufgrund seiner Eigenschaften nah am Instabilitätspunkt arbeitet und daher eine hohe Bereitschaft besitzt, sich plötzlich autokatalytisch aufzuschaukeln. Hypes sind im Internet ein alltägliches Phänomen. Der Versuch einer steuernden Kontrolle ist prinzipiell zum Scheitern verurteilt. Die einzige Chance, das Heft des Handelns in der Hand zu behalten, ist der Eingriff über Zugangsbeschränkung, Indizierung oder Zensur. Man kann das Internet abschalten, aber man kann es nicht beherrschen. Aufgrund der Fähigkeit zur spontanen Ausbildung von Massenphänomenen kann das Internet sogar nachhaltig verändernd in Machthorizonte eingreifen, die sich bislang weitgehend erfolgreich gegenüber externen Einflüssen abgeschottet haben.</p>
<p><strong><em>5. Mit der Möglichkeit des spontanen Entstehens von Massenbewegungen durch Resonanzbildung in den sozialen Netzwerken verlagert sich die Macht grundlegend von den Anbietern auf die Nachfrager.</em></strong></p>
<p>Der eigentliche, vom Internet ausgelöste Paradigmenwechsel bezieht sich auf die fundamentale Neugestaltung von Kommunikation. Das bislang stillschweigend akzeptierte Sender-Empfänger-Modell verliert dramatisch an Gültigkeit. Vor dem Internet musste sich jede Botschaft, die Gehör finden wollte, in erster Linie Gedanken über die Verstärkung ihrer Sendeenergie machen. Wirkung war entweder eine Frage des Budgets von Werbemaßnahmen oder der Fähigkeit, die Aufmerksamkeit der Massenmedien auf sich zu lenken. Die Demonstration auf der Straße war das zentrale Prinzip der Verbreitung alternativer, noch nicht mainstreamfähiger Ideen. Der Protest gegen die deutsche Volkszählung im Mai 1987 sorgte besonders kreativ für seine Verbreitung, indem er sich auf Geldscheinen artikulierte. Mit dem Internet ist diese Situation nun eine gänzlich andere. In den Netzwerken entscheidet nicht mehr die Stärke eines Sendeimpulses darüber, wie viele Menschen erreicht werden, sondern einzig und allein die Resonanz-fähigkeit beim potentiellen Empfänger. Eine Botschaft wird nicht passiv empfangen, sondern aktiv ausgewählt. Im Web 1.0 war die Währung noch spontane Aufmerksamkeit; im Web 2.0 ist es bewusst gegebene Anerkennung und Interesse. Durch die Digitalisierung verlagert sich die Macht irreversibel von den Anbietern auf die Nachfrager. Ein aufwändig gemachtes Musikvideo kann völlig wirkungslos verhallen, während ein verwackeltes Handyfilmchen der Performance eines 12-jährigen Grundschülers in wenigen Tagen weltweit 20 Millionen Mal angesehen wird. Trifft etwas auf Resonanz, dann greift die im Netzwerk weder zeitlich noch räumlich beschränkte Selbstverstärkung durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Werden dabei wichtige Netzwerkknoten (Hubs) einbezogen, kann sich eine kleine Erregungswelle in kürzester Zeit zu einem Tsunami aufschaukeln. Resonanzbildung ist der Treiber hinter dem Prinzip des Long Tail, d.h. hinter der Möglichkeit, auch aus einer Nische heraus interessierte Nachfrager zu erreichen und ökonomisch erfolgreich zu sein. Die Bedeutung, die die Machtverlagerung zum Nachfrager im Kontext von Agenda-Setting und Interessensvertretung vermutlich erreichen wird, ist erst in Ansätzen zu erahnen. Um bei der Einschätzung der Wirkpotentiale der neuen Formen der Netzwerkkommunikation nicht völlig daneben zu liegen, sind  Ursache-Wirkungs-Betrachtungen sorgfältig zu vermeiden. Die nicht-lineare Dynamik der Netzwerke begünstigt das als Schmetterlings-Effekt bekannt gewordene chaostheoretische Prinzip „kleine Ursache – große Wirkung“. Die Studenten, die in Wien mit der Besetzung des Audimax der Universität begonnen haben, waren nicht die Verursacher der europaweiten Proteste, aber sie haben den Stein ins Rollen gebracht. Zu behaupten, dass ein einzelner Tweet den Rücktritt von Bundespräsident Köhler ausgelöst hat, ist unsinnig – zu behaupten, dass das Internet nur eine marginale Rolle dabei gespielt hat, aber auch. </p>
<p><strong><em>6. Durch die enorme Zunahme der Nutzerzahlen und die Angleichung der Altersverteilung der User an die Gesamtbevölkerung wird die Internet-Dynamik zunehmend zum Spiegel von Gesellschaftsdynamik.</em></strong></p>
<p>Keine andere Informationstechnologie hat so schnell so viele Menschen erreicht, wie das Internet. Das Radio brauchte 38 Jahre bis zur Einbeziehung von 50 Millionen Nutzern, das Fernsehen 13, das Handy 11 und das Internet noch ganze 4 Jahre. Facebook hat die doppelte Größenordnung von 100 Millionen Usern bereits nach 9 Monaten hinter sich gelassen. Am Anfang der Entwicklung waren es dabei die sogenannten Digital Natives, die Generation, die mit den neuen Medien aufgewachsen ist, die in die sozialen Netzwerke drängten. Es konnte der Eindruck entstehen, dass Facebook, Twitter, Youtube und Co. eine Art virtuelles Jugendzentrum sind. Doch inzwischen zeigen die Fakten, dass sich die Altersverteilung den Gegeben-heiten in der Gesamtbevölkerung angenähert hat. Facebook hat über 540 Millionen Nutzer und ist rein rechnerisch zur drittgrößten Nation der Welt avanciert. Durch die enormen Zuwachsraten, durch den Grad aktiver Beteiligung und die Diffusion in alle Bereiche des täglichen Lebens wird das Internet von einer abgekoppelten „Virtual Reality“ zum hoch auflösenden Spiegelbild gesellschaftlicher Gegenwart. Die von den Menschen im Internet hinterlassenen Spuren bilden einen Rohstoff, der in den nächsten Jahren wohl einen Wert gewinnen wird, der selbst die im Begriff des Data-Minings angelegten Assoziationen zu Edelmetallen in den Schatten stellt. Instrumente, die vergleichbar zu den bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung einen analysierenden Zugang zu Aktivitätsmustern im Internet ermöglichen, sind vielleicht die aussichtsreichsten Kandidaten für einen nächsten Internet-Boom. Sorgfältig zu beobachten sind in diesem Zusammenhang die Fortschritte in der automatischen Sprachverarbeitung. Je besser die Analyseinstrumente werden, desto drängender wird das Problem des Datenschutzes und desto größer werden die prinzipiellen Missbrauchsmöglichkeiten. Neben der Entwicklung Mehrwert erzeugender Formen der Nutzung kollektiver Intelligenz über das Internet, stellt sich die Forschung im Zusammenhang mit Meta-Analysen von Internet-Daten als zweiter besonders aussichtsreicher Förderschwerpunkt dar. Solange die Instrumente einer systematischen Datenanalyse allerdings noch so rudimentär sind wie heute, gilt für alle gesellschaftlichen Akteure: „Dabei sein ist alles!“. Wer selbst im Wasser schwimmt, gewinnt immer noch den besten Eindruck von den jeweilig wirksamen Strömungsverhältnissen. Einfühlungsvermögen muss ersetzen, wozu Analysen noch nicht in der Lage sind.</p>
<p><em><strong>7. Die durch das Internet gesteigerte Einsichtsfähigkeit in gesellschaftliche Zusammenhänge führt in Verbindung mit dem Wissen um die Macht der Resonanzbildung zur Re-Politisierung der Öffentlichkeit.</strong></em></p>
<p>Ob aus der Perspektive des interessierten Einzelnen oder der Perspektive einer interessierten Öffentlichkeit, das Real Time Web ist eine historische Chance zur Reflexion und zur Veränderung gesellschaftlicher Entwicklung. Durch die enormen Zuwachsraten, den Grad aktiver Beteiligung und die Diffusion in alle Bereiche des täglichen Lebens wird das Internet zunehmend von der „Virtual Reality“ zum hoch auflösenden Spiegelbild der Gegenwart. Dass die Diskussion um das Internet mit besonderer Schärfe von den Vertretern der „alten“ Massenmedien geführt wird, ist beileibe kein Zufall. So wie die Fotografie die Erkenntnis individueller Identität gefördert hat, so steigert das Internet das &#8220;Selbst“-Bewusstsein einer Gesellschaft. Der professionelle Journalismus wird in seiner Bedeutung relativiert. Das Internet wird mehr und mehr zum Leitmedium, dessen Themensetzungen von den anderen Publikationsorganen aufgegriffen und verstärkt werden. Für die Lebendigkeit demokratischer Prozesse ist die Entwicklung ein echter Glücksfall. Es zeigt sich immer mehr, dass die vielzitierte Politikverdrossenheit nur ein Ergebnis zunehmender Distanz gegenüber den etablierten Institutionen politischen Handels ist und keineswegs ein allgemein abnehmendes Interesse an politischen Fragestellungen signalisiert. Der überraschende Mobilisierungsgrad bei der gerade gelaufenen Bundespräsidentenwahl ist nur die Spitze eines Eisbergs mit durchaus tragfähigem Tiefgang. Bei emotionalisierenden Themen und insbesondere im überschaubaren Rahmen regionaler Fragestellungen entsteht Beteiligung jenseits von Parteigremien und Wahlzyklen. Im Rottal-Inn-Kreis erreichte ein Bürgerentscheid gegen die Privatisierung von Krankenhäusern eine 90%-Beteiligungsquote, obwohl sich die CSU-Mehrheit explizit für die Privatisierung ausgesprochen hatte. In Thüringen haben Parteilose erstmals drei Viertel aller Bürgermeisterposten besetzt. Es ist Aufgabe der Parteien, diese Entwicklung aufzugreifen, und die sich andeutende Re-Politisierung der Bevölkerung in eine Trendwende bezogen auf die Bewertung demokratischer Institutionen und die Beteiligung an Wahlen um zu münzen. Die von uns durchgeführten qualitativen Interviews legen nahe, dass eine derartige Aktivierung aller Voraussicht nach nur gelingen kann, wenn sie über das Aufgreifen resonanzfähiger Themen und die Öffnung kurzfristig wirksamer, direkterer Beteiligungsformen unterstützt wird. Wenn es nicht gelingt, eine Verbindung zwischen den Plattformen, Kampagnen und Initiativen im Internet mit den formalen demokratischen Entscheidungsprozessen herzustellen, droht die digitale Spaltung einer ganz anderen Art. Ohne Experimentierfreude, die weit über die Installation der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ hinausgeht, wird der von Max Winde formulierte Tweet „Ihr werdet Euch noch wünschen wir seien politikverdrossen“ wohl schneller Wirklichkeit werden, als es den Parteien lieb sein kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass es über die sozialen Netzwerke gelingt, auch jenseits von Lagerbildung und Stammwählerschaften durchaus relevante Mehrheiten zu erzeugen und in das politische Geschehen einzugreifen, ist bereits heute hoch und dürfte weiter steigen.  </p>
<p><em><strong>8. Das erstarkende öffentliche Interesse am Spiel der Kräfte zwischen unterschiedlichen Stakeholder-Perspektiven fordert von Unternehmen und Institutionen maximale Transparenz und Nachhaltigkeit ab.</strong></em></p>
<p>Angesichts vieler Millionen Blogger und Microblogger, die sich im Internet fast täglich zu Wort melden, ist inzwischen auch dem letzten PR-Strategen klar geworden, dass in den Netzwerken eine Steuerung von Kommunikation so gut wie unmöglich ist. Was die Machtverlagerung von Anbieter zum Nachfrager faktisch bedeutet, haben viele Unternehmen und Institutionen bereits mehr oder weniger schmerzhaft erfahren müssen. </p>
<p>Der jüngste, von Greenpeace provozierte PR-Gau bei Nestlé hat erst aufgrund der Steuerungsversuche des Konzerns die Schwelle zur Selbstaufschaukelung überschritten – Krisenintervention als Brandbeschleuniger. Die Netzwerke erzwingen Authentizität und Transparenz. Alle gesellschaftlichen Akteure stehen unter permanenter Beobachtung einer kritischen Öffentlichkeit, der neben den Profis des investigativen Journalismus ein schier unbegrenztes Reservoir an fein verteilten, nicht kontrollierbaren Messfühlern zur Verfügung steht. Studenten der Universität Potsdam haben gerade ein Analyseverfahren entwickelt, das die Aufgabe hat, aus frei verfügbaren Daten im Internet Verbindungen zwischen Politikern und Unternehmen aufzuspüren, um Interessenskonflikte sichtbar zu machen. Das ist erst der Anfang ähnlicher Versuche. Bei den Unternehmenslenkern steigt das Bewusstsein, dass die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und die Förderung von CSR-Projekten mehr ist als Marketing und Imagepflege. In einer vernetzten Welt und in Anbetracht der Notwendigkeit über einen attraktiven Employer Brand im War for Talents zu punkten, ist es ebenso wichtig, Reputation zu gewinnen, wie es leicht ist, sie zu verspielen. Statt in Werbebudgets zu investieren, engagiert sich beispielsweise der Softdrink-Produzent Pepsi auf der Internetplattform „www.refresheverything.com“ mit mehreren Millionen US-Dollar für soziale Projekte und für die Förderung von Ideen zur Bekämpfung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Nachhaltigkeit in seiner sozialen, ökologischen und kulturellen Dimension ist ein Thema, das in den Netzwerken grundsätzlich eine hohe Resonanzfähigkeit besitzt. Dabei wird die Glaubwürdigkeit um so höher sein, je besser es Unternehmen und Institutionen gelingt, vom klassischen Sponsoring und von der Orientierung auf den Stifterwillen zu Grassroot-Konzepten zu kommen, bei denen die Menschen frühzeitig in die Projektentwicklung und in die Mittelvergabe einbezogen werden.</p>
<p><em><strong>9. Die Machtverschiebung durch das Internet stellt eine große kulturelle Herausforderung dar für alle Organisationen mit primär auf Systemkontrolle und Wettbewerb ausgerichteten Handlungsstrategien. </strong></em></p>
<p>Das Internet und insbesondere die sozialen Netzwerke des Web 2.0 sind aufgrund der nicht-linearen Dynamik und der parallelen Informationsverarbeitung prinzipiell ein Angriff auf jede hierarchisch geprägte Organisationsform. Im Internet ersetzt das Vertrauen auf Kommunikation die Vertraulichkeit von Kommunikation. Bei einer SMS oder einer E-Mail besitzt der Empfänger Exklusivität. Die Verbreitung eines Tweets oder eines Blog-Beitrages liegt dagegen weder im Ermessen des Absenders noch kann ein einzelner Empfänger die Verbreitung gezielt einschränken. In Kulturen, in denen die Verbindlichkeit von Beziehungsnetzen noch eine zentrale Rolle spielt, kann die Transparenz und Unkontrollierbarkeit der neuen Medien nur als Fehler und Störung aufgefasst werden. Angesichts der wachsenden Dynamik in Wirtschaft und Gesellschaft, sowie angesichts der Komplexität der anstehenden Problemlagen werden jedoch Handlungsstrategien, die auf Systemkontrolle und Wettbewerb ausgerichtet sind, in Zukunft wohl immer mehr mit einem abnehmenden Grenznutzen zu kämpfen haben. Bereits in den 50er Jahren hat der Britische Kybernetiker William Ross Ashby in seinem „Gesetz gegengleicher Komplexität“ darauf hingewiesen,  dass die Zahl der möglichen Zustände in einem Kontrollsystem immer größer sein muss, als die Zahl der möglichen Zustände im zu kontrollierenden System – oder kurz ausgedrückt: </p>
<p>In einer komplexen und dynamischen Welt ist die Bildung von Netzwerken sowohl das Problem, als auch die Lösung des Problems. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, vorherzusagen, dass das Thema von Machtausübung und Führung in den nächsten Jahren immer stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken wird. In vielen Unternehmen laufen bereits Bemühungen, die vorherrschende leistungsorientierte Wettbewerbskultur über eine Kultur der Kooperation und der Vernetzung zu erweitern. Die Unternehmen in den entwickelten Marktwirtschaften sind sich zunehmend darüber im Klaren, dass sie im internationalen Wettbewerb auf Dauer nur bestehen können, wenn sie weit über die bisherigen Bemühungen im Supply Chain Management hinaus alle Potentiale horizontaler und vertikaler Kollaboration ausschöpfen. In diesem Zusammenhang wird unter dem Stichwort „Enterprise 2.0“ einige Hoffnung auf den Kultur verändernden Einfluss der Einführung der neuen Kommunikationstechnologien gesetzt. Wie wir in einer unserer Studien nachweisen konnten, wird sich der notwendige kulturelle Wandel allerdings nicht im Selbstlauf über einen Generationenwechsel ergeben. Auf der Basis von 200 qualitativen Interviews mit Menschen, die das Internet intensiv nutzen (heavy user), konnten wir keinen Zusammenhang zwischen der altersabhängigen Erfahrung mit dem Internet (Digital Natives) und persönlichen Wertepräferenzen feststellen, die einen Umgang mit selbstorganisierenden Netzwerken begünstigen.</p>
<p><em><strong>10. Das im Internet bestehende Missverhältnis zwischen der erlebten Flüchtigkeit von Interaktionen und der dauerhaften Speicherung hinterlassener Spuren erhöht systembedingt das Risiko von Missbrauch.</strong></em></p>
<p>Die Leichtigkeit der persönlichen Kontaktaufnahme und der Interaktionen im Internet suggeriert dem Nutzer die Flüchtigkeit des Gesprächs und führt psychologisch zu einer eklatanten Unterschätzung der Risiken, die sich durch die hinterlassenen Daten ergeben. Zusätzlich verdeckt die in alltäglichen Kommunikations-situationen gemachte Erfahrung, dass der Empfänger einer Information meistens aktiv adressiert werden muss, den irritierenden Umstand, dass im Internet die Verbreitung einer Information nicht durch die Anbieter sondern die Nachfrager bestimmt wird. Für eine realistische Abschätzung der Auswirkungen von Kommunikation in Netzwerken fehlt den Menschen aus psychologischer Perspektive einfach jede Intuition. Entsprechend groß ist dann die Überraschung, wenn die Veröffentlichung einer Partyeinladung in einem sozialen Netzwerk gleich mehrere tausend Gäste anlockt, wenn man durch einen einzelnen Tweet unversehens ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird oder wenn einem die Bilder längst vergangener Jugendsünden eine aktuelle Karriereperspektive verhageln. Während Eingriffe in die Inhalte oder Beschränkungen des Zugangs zum Internet so weit als möglich vermieden werden sollten, ist eine Kontrolle des Umgangs mit den gespeicherten Daten zum Schutz der Nutzer unbedingt erforderlich. Insbesondere, wenn sich die Möglichkeiten der Analyse der im Internet hinterlassener Spuren tatsächlich zum nächsten Internet-Boom entwickeln sollte, ist zu hoffen, dass die Durchsetzung von Regeln und Kontrollmechanismen Schritt halten kann. Um für das aller Voraussicht nach unvermeidliche Wettrennen angemessen gerüstet zu sein, sollte darüber nachgedacht werden, ob die Auswirkungen des Internets auf die Innovationskraft und Organisation der Gesellschaft nicht die dauerhafte Etablierung eines unabhängigen Instituts rechtfertigt. </p>
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		<title>Ist das Web 2.0 eine Spielwiese der Digital Natives?</title>
		<link>http://blog.whatsnext.de/2010/06/ist-das-web-2-0-eine-spielwiese-der-digital-natives/</link>
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		<pubDate>Sat, 19 Jun 2010 07:18:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ulrike reinhard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Studien]]></category>

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		<description><![CDATA[Laut Wikipedia sind Digital Natives Personen, die zu einer Zeit aufgewachsen sind, in der bereits digitale Technologien wie Computer, das Internet, Handys und MP3s verfügbar waren. Als Antonym existiert der Digital Immigrant, welcher diese Dinge erst im Erwachsenenalter kennengelernt hat. Der Begriff Digital Native wurde 2001 von Marc Prensky geprägt und wird in Deutschland vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Laut <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Native">Wikipedia sind Digital Natives</a> Personen, die zu einer Zeit aufgewachsen sind, in der bereits digitale Technologien wie Computer, das Internet, Handys und MP3s verfügbar waren. Als Antonym existiert der Digital Immigrant, welcher diese Dinge erst im Erwachsenenalter kennengelernt hat. Der Begriff <a href="http://www.marcprensky.com/writing/">Digital Native wurde 2001 von Marc Prensky</a> geprägt und wird in Deutschland vor allem von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Schulmeister">Rolf Schulmeister</a> heftigst kritisiert. <a href="http://beat.doebe.li/bibliothek/w01839.html">Hier finden Sie eine gute Gegenüberstellung</a> der Meinungen. So viel zur Theorie.</p>
<p><strong>METHODIK</strong></p>
<p>Wir wollten nun ganz praktisch wissen, was Digital Natives (nach Prenskys Definition die &#8220;Spätgeborenen&#8221;) in ihrer emotionalen Bewertung tatsächlich als <strong>&#8220;Muster&#8221; im Umgang mit dem Internet aufweisen</strong>. Dazu haben wir gemeinsam mit der Initiative <a href="http://www.dnadigital.de">DNAdigital</a> 100 junge Menschen interviewt. Die Interviews wurden mit der <a href="http://blog.whatsnext.de/die-methode/">nextexpertizer Methode</a> durchgeführt, die gesellschaftliche Trends ebenso frühzeitig erfasst wie kritische Resonanzpunkte im öffentlichen Diskurs sensibel aufspürt.</p>
<p><span id="more-217"></span><strong>ERGEBNISSE</strong></p>
<p>Und die Ergebnisse sind zumindest ansatzweise überraschend. Wie haben die Wertemuster der einzelnen Befragten analysiert und haben sehr interessante Unterschiede und teilweise auch Gemeinsamkeiten innerhalb der Befragten gefunden.</p>
<p>Die nachfolgenden Folien geben Ihnen einen ersten Einblick in die Ergebnisse:</p>
<p><a style="margin: 12px auto 6px auto; font-family: Helvetica,Arial,Sans-serif; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: 14px; line-height: normal; font-size-adjust: none; font-stretch: normal; -x-system-font: none; display: block; text-decoration: underline;" title="View DIgital Visitors und Digital Residents on Scribd" href="http://www.scribd.com/doc/23624753/DIgital-Visitors-und-Digital-Residents">DIgital Visitors und Digital Residents</a> <object id="doc_62216593627685" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="100%" height="500" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="name" value="doc_62216593627685" /><param name="align" value="middle" /><param name="quality" value="high" /><param name="play" value="true" /><param name="loop" value="true" /><param name="scale" value="showall" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="devicefont" value="false" /><param name="bgcolor" value="#ffffff" /><param name="menu" value="true" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="mode" value="list" /><param name="src" value="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf?document_id=23624753&amp;access_key=key-zuk3dnfb90wadn9x8bm&amp;page=1&amp;version=1&amp;viewMode=list" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed id="doc_62216593627685" type="application/x-shockwave-flash" width="100%" height="500" src="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf?document_id=23624753&amp;access_key=key-zuk3dnfb90wadn9x8bm&amp;page=1&amp;version=1&amp;viewMode=list" mode="list" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" menu="true" bgcolor="#ffffff" devicefont="false" wmode="opaque" scale="showall" loop="true" play="true" quality="high" align="middle" name="doc_62216593627685"></embed></object></p>
<p>1.  Hinsichtlich ihrer Einschätzung des Internets lassen sich sog. &#8220;Digital Residents&#8221; und &#8220;Digital Visitors&#8221; unterscheiden. Während die &#8220;Digital Visitors&#8221; das Internet lediglich als Tool begreifen und es ihnen persönlich nicht besonders wichtig ist (siehe slide 4), leben die &#8220;Digital Residents&#8221; sozusagen im Netz und das Internet ist ihnen sehr wichtig (siehe slide 5).</p>
<p>2. Die &#8220;Digital Residents&#8221; wollen den Menschen eigene Wege ermöglichen, sie verstehen die Idee der intelligenten Vernetzung, haben Spass an unkalkulierbarer Dynamik, stehen mit andeen in emotionaler Verbindung, leben bewusste Aufbruchsstimmung vor und nehmen die Resonanzen des Netzes aktiv auf! Sie mögen keine command &amp; control Linien, ärgern sich, wenn innovative Möglichkeiten ungenutzt bleiben und das Neue aus Aengstlichkeit in Frage gestellt wird (siehe slide 7).</p>
<p>3. Die &#8220;Digital Visitors&#8221; dagegen können kaum emotionale Beziehungen im Netz aufbauen, verfolgen primär ihre eigenen Interessen und verbreiten vor allem Oberflächliches und Schnelllebiges. Sie lieben verbindliche Ziele, klare Vorgaben und alles was für ihre persönliche Entwicklung gut ist. Sie brauchen vertikal verlässliche Bezugspunkte (siehe slides 8 und 9),</p>
<p>4. In beiden Gruppen spielt das Medium TV nur noch eine untergeordnete Rolle (siehe slide 10).</p>
<p>5. Die Identifikation mit dem Netz ist <strong>KEINE</strong> Domäne der &#8220;Digital Natives&#8221;! &#8220;Digital Resident&#8221; zu sein ist eine Einstellungssache und kein Geburtsrecht (siehe slide 13).</p>
<p>6. Die &#8220;Digital Residents&#8221; schätzen im Vergleich zu den &#8220;Digital Visitors&#8221; das Leben in Deutschland morgen als wesentlich positver ein (siehe slide 15).</p>
<p><strong>FAZIT</strong></p>
<p>Das sog. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0">Web 2.0</a> ist nicht ausschliesslich eine Spielwiese der Digital Natives und nur auf diese Gruppe der Gesellschaft beschränkt. Nein, es ist die <strong>gesamte Gesellschaft</strong>, die &#8220;in das Internet einsteigt und mitmacht&#8221; und es somit zu einer <strong>riesigen Resonanzfläche</strong> werden lässt. Und weil es eben die ganze Gesellschaft betrifft, so wage ich die Prognose, dass das was wir gerade erleben wirklich so etwas wie die 1. Völkerwanderung im Informationszeitalter ist. Millionen und aber Millionen von Menschen wandern ins Netz und mutieren von &#8220;Digital Visitors&#8221; zu &#8220;Digital Residents&#8221;.</p>
<p>Der sich hier abzeichnende Zeitgeist fordert Partizipation. Die Netze erzwingen Partizipation &#8211; die Menschen NICHT zu beteiligen, das lässt sich weder von Unternehmen noch von Parteien oder anderen Institutionen glaubhaft vermitteln. Und dieser Partizipationswille wird sich ganz nachhaltig auf unsere Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auswirken!</p>
<p>In den nächsten 4 Wochen werden wir dazu noch ein ausführlicheres Papier veröffentlichen, das ebenfalls hier auf diesem Blog abrufbar sein wird.</p>
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		<title>Fragen an Peter Kruse</title>
		<link>http://blog.whatsnext.de/2010/05/fragen-an-peter-kruse/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 22:27:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ulrike reinhard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Studien]]></category>

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		<description><![CDATA[Aufgrund diverser Veroeffentlichungen in den letzten 2 Wochen (FAZ, netzpiloten) hat sich Peter Kruse entschlossen hier im Blog ganz gezielt auf konkrete Fragen zu antworten. Fragen zur Methode nextexpertizer, zu Studienergebnisse usw. &#8230;
Wir werden den Blog nicht 24/7 &#8220;betreuen, aber die Fragen werden zeitnah beantwortet werden. Also einfach bitte her damit &#8211; einfach als Kommentar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aufgrund diverser Veroeffentlichungen in den letzten 2 Wochen (<a href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E070FC7E9418E4FED9E83C1247D44D5CA~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a>, <a href="http://www.netzpiloten.de/2010/05/21/professor-silberzunge-ist-peter-kruse-die-deutsche-stimme-des-web/">netzpiloten</a>) hat sich Peter Kruse entschlossen hier im Blog ganz gezielt auf konkrete Fragen zu antworten. Fragen zur Methode nextexpertizer, zu Studienergebnisse usw. &#8230;</p>
<p>Wir werden den Blog nicht 24/7 &#8220;betreuen, aber die Fragen werden zeitnah beantwortet werden. Also einfach bitte her damit &#8211; einfach als Kommentar eingeben. Pro Frage eroeffen wir dann einen neuen Post.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Kulturraum Internet</title>
		<link>http://blog.whatsnext.de/2010/04/kulturraum-internet/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 21:09:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ulrike reinhard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Studien]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem IBM Jam Camp stellte Frank Schomburg detaillierte Studienergebnisse zum Kulturraum Internet vor. In einigen Punkten ist diese Praesentation deckungsgleich mit Peter Kruses Praesentation auf der republica, an einigen Stellen geht sie jedoch wesentlich staerker in die Tiefe.
Lotus Jam Camp 
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem <a href="http://www-01.ibm.com/software/de/jamcamp/">IBM Jam Camp</a> stellte <a href="http://www.nextpractice.de/unternehmen/team/team/nextpractice-berater/frank-schomburg/">Frank Schomburg</a> detaillierte Studienergebnisse zum Kulturraum Internet vor. In einigen Punkten ist diese Praesentation deckungsgleich mit <a href="http://blog.whatsnext.de/2010/04/ist-die-nutzung-des-internets-eine-glaubensfrage/">Peter Kruses Praesentation auf der republica</a>, an einigen Stellen geht sie jedoch wesentlich staerker in die Tiefe.</p>
<p><a title="View Lotus Jam Camp on Scribd" href="http://www.scribd.com/doc/30482424/Lotus-Jam-Camp" style="margin: 12px auto 6px auto; font-family: Helvetica,Arial,Sans-serif; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: 14px; line-height: normal; font-size-adjust: none; font-stretch: normal; -x-system-font: none; display: block; text-decoration: underline;">Lotus Jam Camp</a> <object id="doc_113035275554432" name="doc_113035275554432" height="500" width="100%" type="application/x-shockwave-flash" data="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" style="outline:none;" rel="media:presentation" resource="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf?document_id=30482424&#038;access_key=key-2h85i1kt8hwxluxtbr4o&#038;page=1&#038;viewMode=slideshow" xmlns:media="http://search.yahoo.com/searchmonkey/media/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/terms/" ><param name="movie" value="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf"><param name="wmode" value="opaque"><param name="bgcolor" value="#ffffff"><param name="allowFullScreen" value="true"><param name="allowScriptAccess" value="always"><param name="FlashVars" value="document_id=30482424&#038;access_key=key-2h85i1kt8hwxluxtbr4o&#038;page=1&#038;viewMode=slideshow"><embed id="doc_113035275554432" name="doc_113035275554432" src="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf?document_id=30482424&#038;access_key=key-2h85i1kt8hwxluxtbr4o&#038;page=1&#038;viewMode=slideshow" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" height="500" width="100%" wmode="opaque" bgcolor="#ffffff"></embed></object></p>
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		<title>Ist die Nutzung des Internets eine Glaubensfrage?</title>
		<link>http://blog.whatsnext.de/2010/04/ist-die-nutzung-des-internets-eine-glaubensfrage/</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Apr 2010 21:38:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ulrike reinhard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Praesentationen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Internet zu nutzen oder nicht zu nutzen ist keine Glaubensfrage sondern eine Frage sinnvoller Zukunftsorientierung und praktischer Vernunft. So laesst sich in 140 Zeichen der Vortrag von Peter Kruse heute auf der republica in Berlin zusammenfassen.
Hier das Video
Und hier die Folien
republica2010 

Hier der Mitschnitt des Livestreams

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Internet zu nutzen oder nicht zu nutzen ist keine Glaubensfrage sondern eine Frage sinnvoller Zukunftsorientierung und praktischer Vernunft. So laesst sich in 140 Zeichen der Vortrag von Peter Kruse heute auf der republica in Berlin zusammenfassen.<br />
Hier das Video</p>
<p><embed src="http://blip.tv/play/jDyB1f8LAA" type="application/x-shockwave-flash" width="320" height="270" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed><br />Und hier die Folien</p>
<p><a title="View republica2010 on Scribd" href="http://www.scribd.com/doc/29900810/republica2010" style="margin: 12px auto 6px auto; font-family: Helvetica,Arial,Sans-serif; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: 14px; line-height: normal; font-size-adjust: none; font-stretch: normal; -x-system-font: none; display: block; text-decoration: underline;">republica2010</a> <object id="doc_239680248642478" name="doc_239680248642478" height="500" width="100%" type="application/x-shockwave-flash" data="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf" style="outline:none;" rel="media:presentation" resource="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf?document_id=29900810&#038;access_key=key-2303ssi1p5jlbjitb4id&#038;page=1&#038;viewMode=slideshow" xmlns:media="http://search.yahoo.com/searchmonkey/media/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/terms/" ><param name="movie" value="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf"><param name="wmode" value="opaque"><param name="bgcolor" value="#ffffff"><param name="allowFullScreen" value="true"><param name="allowScriptAccess" value="always"><param name="FlashVars" value="document_id=29900810&#038;access_key=key-2303ssi1p5jlbjitb4id&#038;page=1&#038;viewMode=slideshow"><embed id="doc_239680248642478" name="doc_239680248642478" src="http://d1.scribdassets.com/ScribdViewer.swf?document_id=29900810&#038;access_key=key-2303ssi1p5jlbjitb4id&#038;page=1&#038;viewMode=slideshow" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" height="500" width="100%" wmode="opaque" bgcolor="#ffffff"></embed></object><br />
<br />
Hier der Mitschnitt des Livestreams<br />
<object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/p/0D338C23B76C1EA1&#038;hl=de_DE&#038;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/p/0D338C23B76C1EA1&#038;hl=de_DE&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="385" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<item>
		<title>The Network is Challenging Us</title>
		<link>http://blog.whatsnext.de/2010/03/the-network-is-challenging-us/</link>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 13:47:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ulrike reinhard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Studien]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter Kruse ueber die Herausforderungen, die das Internet fuer den einzelnen und fuer die Gesellschaft als Ganzes bereithaelt.
Das Interview ist in englisch.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Peter Kruse ueber die Herausforderungen, die das Internet fuer den einzelnen und fuer die Gesellschaft als Ganzes bereithaelt.</p>
<p>Das Interview ist in englisch.</p>
<p><embed src="http://blip.tv/play/jDyB0osHAA" type="application/x-shockwave-flash" class="youtube16zu9" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></p>
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		<item>
		<title>“Schwimmen, nicht filtern”</title>
		<link>http://blog.whatsnext.de/2010/03/%e2%80%9cschwimmen-nicht-filtern%e2%80%9d/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Mar 2010 09:03:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>m.roling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Komplexität]]></category>
		<category><![CDATA[Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Resonanzfähigkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[ Peter Kruse im Interview mit Doris Raßhofer.
Herr Prof. Kruse, ein Teil der Menschheit klagt über eine nicht mehr zu bewältigende Flut von Informationen, ein anderer Teil speist die Flut selbst mit aller Kraft und wachsender Begeisterung. Ist der „Run“ auf die sozialen Netze nur ein kurzfristiger Hype oder Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels?  
Peter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #000000;"> </span>Peter Kruse im Interview mit Doris Raßhofer.</p>
<p><em><strong>Herr Prof. Kruse, ein Teil der Menschheit klagt über eine nicht mehr zu bewältigende Flut von Informationen, ein anderer Teil speist die Flut selbst mit aller Kraft und wachsender Begeisterung. Ist der „Run“ auf die sozialen Netze nur ein kurzfristiger Hype oder Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels? </strong></em><strong> </strong></p>
<p>Peter Kruse: Wir befinden uns mitten in der nächsten Runde der Veränderungen der Gesellschaft durch das Internet. Ich würde mich nicht scheuen sogar von einer <em>Revolution 2.0</em> zu reden. Schaut man auf die Massen von Menschen, die in den letzten Monaten in die sozialen Netze eingezogen sind, dann haben wir es gewissermaßen mit der ersten großen Völkerwanderung des digitalen Zeitalters zu tun. Der erste Internet-Boom in den 90er Jahren bezog sich auf den Zugang zu Informationen – Sie erinnern sich? AOL, Boris Becker, „ich bin drin“. Die Nutzer waren begeistert von der Vielfalt und Einfachheit, mit der man im Internet findet, was man vorher mühsam suchen musste. Während dieses Zugangs-Booms ist die Vernetzungsdichte explodiert. Aber der wirklich große Schub kam erst im letzten Jahr durch die ernorme Erhöhung des Grades der persönlichen Beteiligung. Zu Anfang haben die meisten Menschen das Internet nur wie Besucher betreten, jetzt sind sie gewissermaßen „mit Haut und Haaren“ eingezogen. Das Internet ist zum eigenständigen Kommunikations- und Kulturraum geworden</p>
<p><em><strong>Warum haben wir plötzlich solchen Gefallen daran, uns der Öffentlichkeit mit persönlichen Details und privaten Beiträgen zu präsentieren?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Ein tiefes Motiv der Menschen für Beteiligung in Netzwerken ist der Wunsch, Spuren zu hinterlassen – und das nicht erst seit es das Internet gibt. Was erhoffen wir uns denn am Ende unserer Tage? Bei anderen Menschen in Erinnerung zu bleiben. Auch der Wunsch nach Kindern spiegelt letztlich in nicht geringen Anteilen diesen Wunsch wider. Da ist natürlich ein Medium recht verführerisch, das jedem verspricht, alltägliches „Gezwitscher“ ebenso sorgfältig zu bewahren wie persönliche Videos oder sorgsam geführte Tagebücher. Insbesondere, wenn man mit seinen Tweets, Bildern oder Blogs im Prinzip jederzeit das Interesse von vielen Millionen Menschen auf sich lenken kann – und das fast ganz ohne die Hilfe der klassischen Massenmedien.</p>
<p><span id="more-286"></span></p>
<p>Mit der immer größer werdenden Zahl von Menschen, die sich im Netz miteinander austauschen, tritt neben Information und Selbstdarstellung auch noch ein gesteigertes Bewusstsein für die grundsätzliche Möglichkeit, über Resonanzbildungseffekte Massenbewegungen auszulösen. Und diese dritte Motivlage wird vermutlich die eigentlich Gesellschaft verändernde Kraft des Internets entfalten.</p>
<p>Das Machtverhältnis zwischen Anbieter und Nachfrager verschiebt sich. Ob etwas erfolgreich wird oder nicht, ob etwas Wirkung entfaltet oder nicht, wird zunehmend unabhängiger vom investierten Werbebudget oder von geschickter PR. Scheinbar Nebensächliches kann sich in kürzester Zeit zu einer Welle aufschaukeln – während gleichzeitig eine mit großem Aufwand strategisch platzierte Botschaft weitgehend ungehört verhallt.</p>
<p><em> </em></p>
<p><em><strong>Aber was führt zu dieser Machtverschiebung? Die Menschen und die gesellschaftlichen Systeme sind doch die Gleichen geblieben?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Wir haben in den Netzen eine kritische Masse erreicht und optimale Voraussetzungen für Aufschaukelungseffekte geschaffen. Das führt zu einer <strong>Euphorie des Möglichen.</strong></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Prof._Peter_Kruse.jpg&amp;filetimestamp=20090420110137"></a></p>
<p>Peter Kruse: &#8220;Netzwerkkompetenz steigt mit der Fähigkeit zu Querdenken und Empathie.&#8221; Foto: Holger Weber (cc by-sa)</p>
<p><em><strong>Können Sie das erklären?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Für Aufschaukelungseffekte in Netzwerken sind drei Voraussetzungen wichtig. Man braucht eine große Zahl von möglichst vielfältig miteinander verbundenen Menschen, die außerdem auch häufig ohne äußere Anregung aktiv werden und Impulse anderer durch gezieltes Aufgreifen verstärken. Man braucht das Zusammentreffen von hoher Vernetzungsdichte, großer Spontanaktivität und kreisenden Erregungen. Die Vernetzungsdichte ist schon lange hoch, aber durch das Social Web hat die Menge der aktiven Mitspieler im Internet eine kritische Größenordnung erreicht und durch Formen positiver Rückkoppelung à la Re-Tweet bei Twitter ist zur Dynamik der Netzwerke noch einmal ein Turbolader zugeschaltet worden. Das Internet ist inzwischen <strong>eine ständige Aufforderung an den berühmten Schmetterling der Chaostheorie</strong>, wieder einmal mit seinem Flügelschlag das Wetter zu beeinflussen: kleine Ursache – große Wirkung.</p>
<p><em><strong>Menschen wittern also die Chance, Gehör zu finden oder gar die Welt zu verändern?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Denken Sie beispielsweise an die Online-Petition gegen das „Zugangserschwerungsgesetz“, die Franziska Heine eher nebenbei ins Netz stellte und die dann völlig überraschend binnen kürzester Zeit fast 150.000 Unterstützer in Deutschland mobilisierte. Was für ein Gefühl, als „normaler Bürger“ unvermittelt ins Rad der Geschichte zu greifen. Das ist vielleicht noch am ehesten mit einem Lottogewinn vergleichbar. Nicht jeder Tippschein gewinnt, aber wer die richtige Kombination trifft, über den schüttet sich das Füllhorn aus. Treffen sie mit einer Aktivität im Internet ins Herz der Zeit, dann kennt die Wirkung einfach keine Grenzen mehr. Da kann es schon mal passieren, dass die private Rache eines enttäuschten Fluggastes die Aktie einer Fluggesellschaft um 10% einbrechen lässt. So geschehen bei United Airlines im letzten Jahr. Die dreitausend Euro teure Gitarre des Sängers Dave Carrol fiel ruppigen Packern auf dem Flughafen zum Opfer. United Airlines verweigerte eine Wiedergutmachung. Der Sänger komponierte daraufhin ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5YGc4zOqozo">Schmählied</a>, das inzwischen über 8 Millionen Mal auf YouTube angesehen wurde. Der Firmenwert von United Airlines schrumpfte um ca. 180 Millionen Dollar – Bingo!</p>
<p><em><strong>Ist das Internet eine Art Königsmacher?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse (lacht): Ja, nur viel kreativer und deutlich authentischer als „Deutschland sucht den Superstar“. Erst habe ich zwei Follower, dann 20, dann 2000. Die drei Top-Twitterer haben zusammen bereits mehr Follower als Österreich Einwohner. Man kann nicht nur Spuren hinterlassen, sondern man kann aus der Nische, aus dem „Long Tail“ heraus, Wirkung in der Realität erzeugen. Das ist natürlich reizvoll. Früher brauchte man dafür die Massenmedien mit ihren Distributionsapparaten und zumeist wurde dort nur der Mainstream verstärkt. Plötzlich gibt es ein Werkzeug, über das jede Nische in die Mitte der Gesellschaft vordringen kann. Das bringt auch Politiker zunehmend ins Grübeln.</p>
<p><em><strong>Sie sagen, die Menschen wollen Spuren hinterlassen. Doch ist es genau dieser Charme des Systems, der derzeit für heftige Kritik und Angst sorgt.</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Ja, viele wünschen sich, Spuren zu hinterlassen, aber natürlich ohne jedes Risiko. Das ist nicht logisch, aber psycho-logisch. Ich will alles, ich will alles und zwar sofort. Genuss ohne Reue. Wirkung ohne Nebenwirkung. Schön wär’s. Das Netz verbindet die Flüchtigkeit des Gesprächs mit der Permanenz des Buches. Im Netz ist die Aussage „was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“ kein guter Rat. Die Rückverfolgung meiner Spuren ist nur begrenzt durch den zur Verfügung gestellten Speicherplatz.</p>
<p>Die Lust Spuren zu hinterlassen unterliegt daher der gleichen Balance von Rendite und Risiko, wie die meisten anderen interessanten Lebensbereiche. Wenn ich möchte, dass das Netz von mir Notiz nimmt, dann ist der Preis der Transparenz kaum zu vermeiden. Man muss ja nicht alles ins Netz stellen und es auch nicht jedem zugänglich machen. Aber mit jeder Beschränkung reduziert sich die potentielle Wirkungskraft – keine einfache Entscheidung.</p>
<p><em><strong>Wie gehen Sie damit um? Was geben Sie im Netz preis?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Meist nur etwas, hinter dem ich stehe und das mir auch wichtig ist. Ich bin beispielsweise ein eher spärlicher Twitterer. Aber wenn ich twittere, dann will ich das auch genau so formuliert haben. Die Aussage „sitze gerade mit Gustav in Wien und trinke Kaffee“ gehört bei mir eher nicht dazu. Für die Fangemeinde von Robby Williams wäre eine solche Aussage ihres Stars vielleicht hinreichend bedeutungsvoll. Für meinen Kaffeekonsum interessiert sich kein Schwein. Damit muss ich wohl leben.</p>
<p>Ich habe vor den scheinbar so flüchtigen Interaktionen im Netz durchaus Ehrfurcht, weil sie gar nicht flüchtig sind, sondern Geschichten schreiben. Wenn ich ein Buch verfasse, gebe ich mir ja auch Mühe. Ich persönlich finde es wenig sinnvoll, dieses Netz mit Informationen zu überfrachten, deren Wertigkeit gerade mal eine SMS rechtfertigt, da nur für wenige Adressaten interessant. Das Soziale Netz ist ein schnelles Medium, ein wilder Strom von Real Time Informationen, aber deshalb nicht zwingend anspruchslos und trivial. Ich würde ja auch nicht für jeden Unsinn ins Auto steigen und Ressourcen verschwenden.</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/apfab/3740309790/"></a></p>
<p>Die ununterbrochen dahinströmende Informationsflut des Real Time Web erzwingt eine radikale Änderung der Strategie der Informationsverarbeitung. Foto: ApFab (cc by-nc-sa) &#8211; Generiert aus algorithmischen Bildsuche-Abfragen</p>
<p><em><strong>Noch wirkt jedoch vieles trivial. Was muss passieren, dass die geforderte Qualität ins Netz einzieht?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Das ist sicherlich richtig und teilweise auch durchaus absichtsvoll. Aber das Gefühl der Oberflächlichkeit ist nur Symptom für eine tiefer liegende Problematik. Über Hyperlinks können sich Informationen im Internet radikal aus ihrem Kontext lösen. Und Information ohne Kontext sind sehr schwer nachzuvollziehen. Manchmal wird dann für den Empfänger völlig bedeutungslos, was für den Absender noch sehr wertvoll und aussagekräftig erschien.</p>
<p>Ganz gemein wird es, wenn man versucht, auf der Basis von 140 Zeichen ironisch zu sein. Die Tatsache, dass es uns normalerweise gut gelingt, eine Ironie von einer Faktenaussage zu unterscheiden, setzt die Teilhabe an einem gemeinsamen inhaltlichen oder kulturellen Hintergrund voraus. Ohne Unterton und Kontext bleibt beispielsweise die Aussage „Dieter Bohlen ist einer der größten deutschen Künstler“ ein eindeutiges Loblied. Das Ganze wird besonders bedenklich, wenn sich Menschen auf eine Fremdsprache einigen, ohne aus der zugehörigen Erlebniswelt zu kommen. Dann reden zwar alle eine Sprache wie Englisch und erzeugen dennoch mehr Verwirrung als beim Turmbau zu Babel.</p>
<p><em><strong>Ist „social tagging“ dafür eine Hilfe bzw. dagegen eine Lösung?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Man hatte einige Hoffnung, dass es über „social tagging“ gelingt, das Bedeutungsproblem im Internet zu entschärfen. Man dachte, dass auf diesem Weg eine Art empirische Ontologie entsteht. Aber die Menschen verwenden Sprache im Internet viel zu undiszipliniert. Ohne einen erläuternden Kontext ist man sich nie sicher, wie ein als „tag“ genutztes Wort gemeint ist. Was nützt der „tag: Theater“, wenn der eine darunter die Seiten von Scheidungsanwälten verwaltet, weil er gerade „Theater“ in seiner Beziehung hat, und der andere das Schauspielprogramm in seiner Stadt verlinkt.</p>
<p>Das ist auch nach wie vor das große Defizit von Suchmaschinen. Man bekommt häufig einfach nicht das, was man gesucht hat oder zumindest viel Unsinniges zusätzlich. Mir fällt dazu immer der Film „Nell“ mit Jodie Foster ein, in dem die Geschichte einer jungen Frau erzählt wird, die mit einer aphasischen Mutter und einer Zwillingsschwester allein im Wald aufwächst und mit ihrer Schwester eine „Privat“-Sprache entwickelt hat, die nur die Beiden verstehen. Als die Schwester stirbt, bleibt sie mit „ihrer“ Sprache allein zurück. Als sie auf andere Menschen trifft, wird sie für geistig zurückgeblieben gehalten. Erst im Laufe des Filmes, über einen quälenden Prozess der Kontext- und Bedeutungsklärung wird klar, dass sie emotional hoch differenziert und bei weitem nicht zurückgeblieben ist.</p>
<p>Sprache verliert ihre Funktion ohne einen geteilten Kontext der Wortverwendung. Das hat schon Ludwig Wittgenstein sehr pessimistisch gemacht, was das gegenseitige Verstehen der Menschen angeht.</p>
<p>Dieses Semantik-Problem, ohne dessen Lösung auch eine Bewertung von Information nur sehr rudimentär möglich ist, ist so etwas wie ein Geburtsfehler des Internet. Ohne automatisches Sprachverstehen bleibt das Netz wohl dauerhaft unter seinen Möglichkeiten. Man kann halt nicht mit vielen hundert Millionen Menschen eine tragfähige gemeinsame Kultur aushandeln, die auch nur annähernd die Differenziertheit hat, die uns im normalen Alltagsleben so selbstverständlich zur Verfügung steht. Kleinere Subnetzwerke können das Bedeutungs- und damit das Bewertungsproblem über Kontext klärende Diskurse bewältigen, das große Ganze schafft das nicht.</p>
<p><em><strong>Und die Bewertung ist unerlässlich für die Einordnung der Millionen an Infos – was ist relevant, was ist richtig. Haben Sie hier eine hilfreiche Strategie?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Eigentlich bleibt nur das persönliche Bemühen um ein möglichst breites Allgemeinwissen und um die Fähigkeit, sich in viele verschiedene Lebensperspektiven einfühlen zu können. Netzwerkkompetenz steigt mit der Fähigkeit zu Querdenken und Empathie. Wir brauchen wieder stärker das Bemühen um ein Studium Generale – und das nicht, weil sich konservative Bildungsbürger in die Vergangenheit zurücksehnen, sondern weil die Leistungsträger von Morgen darauf angewiesen sind, die Komplexität des <em>Real Time Web</em> sinnvoll reduzieren zu können. Im Netz ist derjenige besonders wertvoll, der Muster erkennt und Information sicher bewerten kann.</p>
<p><em><strong>Menschen, die die vielen kleinen Info-Happen in ein größeres Bild einordnen können?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Die ununterbrochen dahinströmende Informationsflut des Real Time Web erzwingt eine radikale Änderung der Strategie der Informationsverarbeitung. Die Psychologen nennen die alternative Strategie „frei schwebende Aufmerksamkeit“. Es geht nicht mehr darum, jedes Detail in der Lawine vorbei purzelnder einzelner Steinchen wahrzunehmen, sondern darum, die Steinchen schnell und sinnvoll in einen übergeordneten und wenn möglich sinnvollen Zusammenhang einzufügen. Was früher Domäne der Redaktionen, Trendforscher und Berater war, wird immer mehr zur existenziellen Aufgabe von uns Allen. Die Informationen im Internet sind nicht mehr nur das Rohmaterial für Experten, sondern eine permanente Herausforderung für jeden Nutzer. Ob die vom Nutzer zusammengefügten Puzzles dann einen Mehrwert haben oder nicht, hängt davon ab, wie groß dessen Fähigkeit ist, viele Informationen aufzunehmen und zu bewerten.</p>
<p>Neben Querdenken und Empathie wird es immer wichtiger, auch eine möglichst große Aufmerksamkeitsspanne zu trainieren. Wie lange können Sie bei einer Sache bleiben, ohne Langeweile zu empfinden? Wie viele Informationen können gleichzeitig auf Sie einströmen, ohne dass Sie aus Überforderungsgefühl abschalten? Viele junge Menschen haben überhaupt kein Problem mit dem Überforderungsgefühl durch parallele Informationsströme, aber sie sind über die schnelle Taktung von MTV &amp; Co. nicht mehr daran gewöhnt, sich längere Zeit aufmerksam einer Sache zu widmen. Ihre Aufmerksamkeit wird in erster Linie über den Orientierungsreflex gesteuert, den das Neue auslöst. Für qualitative Musterbildung ist das nicht genug. <strong>Was nützt mir die Fähigkeit, entspannt zwischen vielen News-Tickern zu wechseln, wenn ich die Informationen nicht angemessen einordnen kann? </strong></p>
<p><em><strong>Die interessanten Infos gilt es irgendwie aus dem permanenten Strom an Infos herauszufiltern. Bei der Informationsmenge im Internet kein leichtes Unterfangen, eher wie die Stecknadel im Heuhaufen finden.</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Es ist keine Sisyphus-Aufgabe, sondern eine Frage der Informationsverarbeitungsstrategie. Wenn sie die Informationen detailliert nachvollziehen wollen, wie beim Lesen eines Buches – detailsicher bei Kontext und Zitat – dann platzt ihnen irgendwann die Birne. Es gilt Unschärfen zu akzeptieren.</p>
<p><em><strong>Nämlich wie?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Schwimmen, nicht filtern. <strong>Dann spürt man die Strömung, die Dynamik der Welt.</strong> Wenn jemand anfängt zu twittern, frag ich mich immer: nutzt er Twitter als PR-Instrument, will er kontrollieren oder will er wirklich mitschwimmen, möchte er Teil dieser Dynamik werden? Es geht darum, angekoppelt zu sein, es geht um die Lust an der Unkalkulierbarkeit. Es ist eine Form zu leben, anstrengend aber anregend – eine Bereicherung. Wer „Herr oder Frau der Lage“ bleiben will, für den ist das Internet inzwischen ein sehr unangenehmes Medium. Wer einen Ameisenhaufen aufräumen möchte, wird sich schnell überfordert fühlen. Wer aber beobachtet, welche Wege die Ameisen gehen und wie sie ihren Staat organisieren, für den ist das ein faszinierendes Geschehen. Aber, wem es dennoch auf Dauer nicht gelingt, Muster zu erkennen, der läuft Gefahr einfach ins driften zu geraten. Das verbraucht nur viel Zeit und bringt nichts und ist noch am ehesten der unproduktiven Gedankenflucht in einem psychotischen Schub vergleichbar.</p>
<p><em><strong>…dann hängen Leute stundenlang im Netz ohne Ziel.</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse. Aber das ist nicht die Schuld des Netzes, die Netze machen nur das Angebot dazu. Die Psychose muss ich schon selbst in den Griff bekommen. Genie und Wahnsinn liegen mal wieder nah beieinander.</p>
<p><em><strong>Ein weiterer Verantwortungsruck?</strong></em><strong> </strong></p>
<p>Kruse: Ja, über die Netzwerke gerät der gesellschaftliche Status der Experten unter Druck und generell haben es alle „gatekeeper“ immer schwerer, ihre Autorität zu wahren. Das Internet erzwingt einen ehrlichen Umgang mit Kompetenz. Das gilt natürlich auch für die Nutzer. Wer Macht übernimmt, übernimmt Verantwortung. Wir sind verantwortlich für das, was wir ins Netz stellen und für das, was wir aus dem Netz übernehmen. Deshalb noch mal: Die Verbesserung von Bildung ist gegenwärtig eine Aufgabe höchster Priorität. Das Netz ist nur so klug wie sein mittlerer User.</p>
<p><em><strong>Welche Auswirkungen werden das Netz und der „Machtwechsel“ auf die Demokratie haben? Sie sagten einmal „Wenn das Netz etwas will, setzt es sich durch“.</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Positiv lässt sich vermuten, dass es das Netz jedem Diktator schwer machen wird, seine Machtposition zu erhalten. Das Netz kann man nicht steuern und langfristig auch kaum gezielt manipulieren. Wer ohne resonanzfähig zu sein mit allen Mitteln seine Interessen durchsetzen möchte, hat im Netz letztlich keine Chance.<br />
<strong>Eigentlich ist das Internet die bislang radikalste Form der Demokratisierung der Gesellschaft.</strong> Die Angst der Mächtigen vor dem Plebiszit ist durchaus gerechtfertigt – bezogen auf Status ohne Mehrwert und bezogen auf jedwede Form von „hidden agenda“. Was für Experten generell gilt, wird besonders für die Politik wichtig. In der Gegenwart der Netzwerke kann direktere Beteiligung an Entscheidungsfindungsprozessen kaum noch verwehrt werden. Die Demokratie wird ohne Zweifel direkter werden – mit oder ohne Unterstützung der etablierten Parteien. Beim öffentlichen Agenda-Setting ist der Einfluss der Netze bereits Realität, in der Parteipolitik wird noch gefremdelt.</p>
<p><em><strong>Und was ist mit neuen Machtinstanzen wie Google? </strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Firmen wie Google als neue Weltmächte auszurufen, ignoriert die Dynamik und Größe der Netze. Selbst Google hat bislang nur geschafft, einen Bruchteil der Daten im Netz zu indizieren. Ob Google seine Position zukünftig halten kann oder nicht, hängt mehr von der Masse der User ab als von Google. Ich finde es persönlich sehr irritierend, wenn man glaubt im Netz hätten Marken die gleiche stabilisierende Kraft wie außerhalb des Netzes. Es ist kein Zufall, dass die professionellen Akteure im Netz immer mehr versuchen, auch mit eigenen Produkten wie E-books oder Smartphones Teil der Offline-Wirtschaft zu werden.</p>
<p>Schauen sie sich mal die bekanntesten Internet-Firmen von vor fünf Jahren und von heute an: <strong>das Internet ist eine „untreue Tomate“.</strong> Wenn Google aus irgendeinem Grund seine Attraktivität einbüßt, dann zieht die Karawane weiter. Die Idee, über den Besitz von Daten oben zu bleiben, ist genauso wenig sicher, wie der Versuch, seine Position dauerhaft über Userzahlen garantieren zu wollen. Die eigentliche Währung im Netz ist nicht die Menge der Nutzer oder gespeicherter Informationen, sondern die Aufmerksamkeit durch Attraktivität.</p>
<p><em><strong>Sie sehen also im Web 2.0 noch keine Gefahren auf uns zukommen?</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Solange die kreative Zusammenfassung und Musterbildung an Menschen geknüpft ist und das automatische Sprachverstehen noch in den Kinderschuhen steckt, erstickt jeder „große Bruder“ am Problem der Semantik. Erst wenn Bedeutung automatisch erkannt werden kann, erreicht das Netz als System eine neue Qualitätsstufe und damit auch ein neues Gefährdungspotential. Web 2.0 ist soweit noch ganz handhabbar. <strong>Das Missbrauchspotential eines semantischen Web 3.0 würde mich da schon deutlich mehr ins Schwitzen bringen.</strong></p>
<p><em><strong>Früher war man Teil einer Seilschaft, heute hat man 350 Facebook-Freunde. Wie hat sich der Begriff „Netzwerk“ verändert?</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: In Wirtschaft und Politik redet man häufig von Beziehungsnetzwerken, bei denen die gegenseitige Förderung der beteiligten Partner im Vordergrund steht. Diese Netzwerke sind schon länger auf dem absteigenden Ast. Nicht zuletzt weil die Menschen häufig schneller ihre Positionen wechseln, als sich der Mehrwert einer Beziehung realisieren lässt. Diese persönlichen Netzwerke verändern sich auch ohne Internet schon seit längerem in Richtung auf den Attraktivitätsfaktor Kompetenz.</p>
<p><em><strong>Was macht den Unterschied?</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Im Kompetenznetzwerk fragt man nicht, wer vernetzt sich mit wem, sondern warum? Man verbindet sich mit interessanten Fähigkeiten und Inhalten – und das nur solange, wie die Fähigkeit oder der Inhalt attraktiv genug sind. Ist das Interesse erloschen, wird die Verbindung einfach gelöst. Heute ist man ein zentraler Netzwerkknoten und schon kurze Zeit später möglicherweise bereits nicht mehr wichtig. <strong>Kompetenznetzwerke sind brutal ehrlich.</strong> Die Halbwertszeit einer Berühmtheit ist gering, wenn sie aufhört sich zu entwickeln.</p>
<p><em><strong>Hat irgendwie eine verletzende Komponente, finden Sie nicht?</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Ja, Kompetenznetze sind kalt aber auch sehr klar. Als Teilnehmer in Kompetenznetzwerken bin ich so gut wie nicht zu enttäuschen. Wenn ich nichts anzubieten habe, das im Netz resonanzfähig ist, dann ist es kein Problem ignoriert zu werden. Es freut mich zwar, wenn andere das, was ich anbiete, wichtig genug finden, um es zu abbonieren, aber es ist nicht meine Basismotivation. Ich bringe Inhalte ins Netz, weil sie mir persönlich wichtig sind. Ich zentriere mich auf die eigene Faszination, denn Authentizität ist bereits für sich genommen etwas Wertvolles. Bekomme ich dann partout keine Resonanz, dann beruhige ich meinen Narzismus im Zweifelsfall mit der Überlegung, dass die Welt einfach noch nicht reif für mich ist (lacht).</p>
<p><em><strong>Wie können sich denn Unternehmen auf diese Veränderung vorbereiten, wie sieht das Angebot für einen Nachfragemarkt aus?</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Was ich wirklich hasse ist der Begriff Web 2.0-Strategie. Weil das zwei ins sich widersprüchliche Begriffe sind – ein Oxymoron. Strategie ist laut Definition das planvolle Erreichen eines Ziels unter Kenntnis der Mittel und Wege. Das gibt es im Netz aber nicht. Wenn Firmen von Web 2.0-Strategie reden, dann versuchen sie ein dynamisches System mit statischen Mechanismen zu beherrschen. Auch hier wieder: Es bleibt nichts anderes, als ehrliche Botschaften zu versenden und aufrichtige Gesprächsangebote zu machen. <a href="http://leanderwattig.de/">Leander Wattig</a>, ein einflussreicher Blogger in Deutschland, hat die einzig mögliche Erfolgsstrategie im Social Weg schlagend auf den Punkt gebracht: <a href="http://leanderwattig.de/index.php/2010/02/04/erfolgsfaktoren-im-social-web/">Bitte…Danke</a>.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/03/kruse-wordle1.jpg"></a></p>
<p>Lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, dass das Internet ohne jede Einschränkung ein selbstverständliches Allgemeingut für alle Menschen wird und bleibt. &#8211; Bild erstellt mit wordle.net</p>
<p><em><strong>Was ist die wichtigste Voraussetzung für Resonanzfähigkeit?</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Empathie. Versuchen Sie einfach so intensiv wie möglich in die Kulturen einzutauchen. Gute Unternehmer haben das immer schon gekonnt. Sie haben ein Gefühl dafür entwickelt, wohin sich die Märkte entwickeln und dann ihre jeweilige Wette platziert. Professionelles Unternehmertum lebt von der Fähigkeit sensibler Wahrnehmung und erst danach von der Fähigkeit zielstrebiger Umsetzung. Für Management ist es genau anders herum.</p>
<p><em><strong>Brauche ich für diese „unternehmerische Wahrnehmung“ zwingend das Netz? Gute Unternehmer gab es ja schon immer, auch lange vor dem Web.</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Natürlich weisen einem auch die klassischen Medien den Weg. Aber ich hatte noch nie so sehr das Gefühl, an Zeitströmungen angekoppelt zu sein wie durch das Internet. Viele Nachrichten hole ich mir nach wie vor aus den „alten“ Medien. Ich bin immer noch passionierter Zeitungsleser. <strong>Aber die Strömungen der Zeit kann ich nirgends so früh und so umfassend erleben wie im Netz.</strong> Oft komme ich mir vor, wie ein großer Bartenwal, der durch planktonreiche Gewässer schwimmt und von morgens bis abends Nahrhaftes herausfiltert. Obwohl man sich dafür ständig bewegen muss, bleibt genügend übrig, um sich eine Speckschwarte zuzulegen.</p>
<p>Ich will in erster Linie selbst verstehen – selbst die Muster erkennen. Manchmal vergesse ich dann fast meine Erkenntnisse zur Diskussion zu stellen. Das Verstehen von Zusammenhängen ist eines der wertvollsten Dinge für mich. Da hat man manchmal das Gefühl, für einen kurzen Moment vom Weltgeist geküsst zu werden. Wenn man sich beispielsweise Zwölftonmusik anhört, ist der Kopf zuerst auch ziemlich überfordert und die Töne scheinen nicht zusammen zu passen. Dann irgendwann, wenn man sich lange genug der Frustration aussetzt, erkennt das Gehirn die Muster und die Schönheit der Musik entfaltet sich. Das hat schon etwas Erhabenes und ist ein Wert in sich.</p>
<p><em><strong>Haben Sie eine Vorstellung davon, wie ein Geschäftsmodell aussehen könnte, das die Kreativität nährt, die das Netz speist? Und was wäre, wenn irgendwann niemand mehr einfach umsonst mitmacht, weil sich keiner mehr die Gratisbeiträge leisten kann oder will?</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Solange die Leute Reputation im Netz noch als Währung begreifen, wird das nicht passieren. Auch in den „emerging markets“ existiert sicher noch genug gebefreudiges Kreativpotenzial, um das Web noch eine ganze Zeit umsonst zu befeuern. Aber die Frage nach lebensfähigen Geschäftsmodellen wird mit dem Social Web immer drängender. Werbeeinnahmen sind da ebenso wenig eine Lösung wie Datenverkauf, solange es sich nicht um Bankdaten aus der Schweiz handelt. Die stehen natürlich krisensicher hoch im Kurs.</p>
<p><em><strong>Was halten Sie von den aktuellen Paid Content-Ideen?</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Jede Restriktion im Zugang ist eigentlich unangemessen für das Netz. Wie wertvoll müssen Inhalte sein und immer wieder werden, um auf Dauer den alten Warencharakter der Information wieder zu beleben. Ich denke das Netz wird mit den Paid-Content-Anbietern Hase und Igel spielen. Die Nutzer versuchen die Barrieren zu umgehen und die Anbieter versuchen sie immer weiter zu erhöhen. Es reicht schon einfaches statistisches Denken, um zu schätzen, wer da die Nase vorn haben wird. Eher würde mir eine Währung gefallen, die auf einer Art emotionaler Belohungspunkte basiert. Immer, wenn ein Beitrag auf Resonanz stößt, gehen minimale Beträge auf das Konto des Anbieters. Denkbar wäre vielleicht so etwas wie eine generelle Flatrate pro Person, die sich automatisch über das Verhalten im Netz auf die besuchten Inhalte verteilt.</p>
<p><em><strong>Das würde auch die Qualität sichern – nur das Beste würde angeklickt und bezahlt.</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Na ja, nicht unbedingt das Beste, aber definitionsgemäß das Resonanzfähigste, das was die Leute dazu verlockt hat, Aufmerksamkeit zu schenken. Von mir aus können das auch Trivialitäten sein.</p>
<p><em><strong>Würden Sie in ein solches Modell jährlich 1000 Euro einzahlen?</strong></em><strong></strong></p>
<p>Kruse: Ich würde mit meinem Beitrag auch noch deutlich höher gehen. Noch nie in meinem Leben habe ich im Verhältnis zum Aufwand so viel für so wenig bekommen wie im Internet. Das Web ist ein Kulturraum, dessen Wert man kaum überschätzen kann. Ich denke es käme einer harten Bestrafung gleich, wenn man vom Zugang abgeschnitten wird. Lassen Sie uns gemeinsam alles dafür tun, dass das Internet ohne jede Einschränkung ein selbstverständliches Allgemeingut für alle Menschen wird und bleibt. Das Internet ist noch jung und für viele positive Überraschungen gut.</p>
<p>Quelle: <a title="www.carta.info" href="http://carta.info/24656/schwimmen-nicht-filtern-peter-kruse-im-interview/" target="_blank">www.carta.info</a> | Das Interview führte Doris Raßhofer.</p>
<p><em><a title="Artikel von Doris Raßhofer" href="http://carta.info/autor/doris_rasshofer/">Doris Raßhofer</a></em><em> ist stellvertretende Chefredakteurin des Monatsmagazins “Bestseller” vom österreichischen Horizont.</em></p>
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		<title>Muss die Politik wie ein Netzwerk funktionieren?</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 00:01:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ulrike reinhard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskussionen]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Politk]]></category>

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		<description><![CDATA[Das intelligenteste Netz dieser Erde ist das Gehirn. Wenn Unternehmen auch wie Gehirne funktionieren können, gilt das auch für Parteien? Politiker? Staaten?
Prof. Dr. Peter Kruse lädt auf dem Politcamp am 20. Maerz 2010 in Berlin zu einem offenen Panel zum Thema “Muss die Politik wie ein Netzwerk funktionieren?“.
Moderiert wird das Panel von Hendrik Heuermann und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das intelligenteste Netz dieser Erde ist das Gehirn. Wenn Unternehmen auch wie Gehirne funktionieren können, gilt das auch für Parteien? Politiker? Staaten?</p>
<p>Prof. Dr. Peter Kruse lädt auf dem <a href="http://10.politcamp.org/muss-die-politik-wie-ein-netzwerk-funktionieren/752/">Politcamp am 20. Maerz 2010</a> in Berlin zu einem offenen Panel zum Thema “Muss die Politik wie ein Netzwerk funktionieren?“.</p>
<p>Moderiert wird das Panel von <a href="http://www.kulow-kommunikation.de/v2/hier-fragen-an-prof-kruse-fur-das-politamp-stellen/2010/">Hendrik Heuermann</a> und<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Ulrike_Reinhard"> Ulrike Reinhard</a>, die im November 2009 das Buch <a href="http://www.scribd.com/doc/22327279/Reboot-D-Digitale-Demokratie-Alles-auf-Anfang">“Reboot_D – Digitale Demokratie, Alles auf Anfang”</a> herausgegeben haben. Da es sich um ein interaktives Format handelt, können die Fragen hier direkt als Kommentare direkt an Prof. Kruse gestellt werden. </p>
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		<title>Elektrischer Reporter: Real Time Web: Alles im Jetzt</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 09:39:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ulrike reinhard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Statements]]></category>

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Elektrischer Reporter – Real Time Web: Alles im Jetzt
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			<content:encoded><![CDATA[<p>In der heutigen Ausgabe des <a href="http://www.elektrischer-reporter.de">Elektrischen Reporters</a> geht es um das Realtime Web. Mit von der Partie sind u.U. Jack Dorsay, Founder von twitter, Jeff Pulver, Veranstalter der ersten internationalen twitter <a href="http://blog.whoiswho.de/stories/40184/">Konferenz &#8220;140 Characters&#8221;</a> u.v.m.</p>
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