Studien - Written by ulrike reinhard on Dienstag, Mai 25, 2010 0:27 - 31 Comments
Fragen an Peter Kruse
Aufgrund diverser Veroeffentlichungen in den letzten 2 Wochen (FAZ, netzpiloten) hat sich Peter Kruse entschlossen hier im Blog ganz gezielt auf konkrete Fragen zu antworten. Fragen zur Methode nextexpertizer, zu Studienergebnisse usw. …
Wir werden den Blog nicht 24/7 “betreuen, aber die Fragen werden zeitnah beantwortet werden. Also einfach bitte her damit – einfach als Kommentar eingeben. Pro Frage eroeffen wir dann einen neuen Post.
- » Enquete-Kommission: Internet und digitale Gesellschaft
- » Ist das Web 2.0 eine Spielwiese der Digital Natives?
- » Kulturraum Internet
- » The Network is Challenging Us
- » Ist der Lack wirklich ab?







bezugnahme auf systemtheorie nach niklas luhmann.
brauchbar und vermittelbar?
konkrete fragen zu kernpunkten:
ich würde gern folgende begriffe differenzieren können:
• autopoietische systeme
• selbstorganisierende systeme
• selbstreferentielle systeme
kann ein konstruktivist mehr wissen außer dass er sich realität selbst konstruiert (viabilität, vulgärkonstruktivismus)
warum verzweifeln so viele an der systemtheorie nach luhmann?
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Luhmann war ein brillianter Denker, der den eigenen Zettelkasten vollumfänglich und virtuos beherrschte. Und irgendwie konnte er mit seinen Wortschöpfungen viel schneller Welten entstehen lassen als seine Zuhörer und Leser in der Lage waren, sie zu beziehen und sich zu eigen zu machen. Da kann schon mal Verzweifelung aufkommen, oder?
Autopoiese beschreibt die Fähigkeit von Systemen, sich selbst zu erschaffen und zu erhalten. Ein selbstreferentielles System muß nicht zwingend autopietisch sein. Das Gehirn ist ein selbstreferentielles System, das seine inneren Zustände als Eigenwert interner Regelwerke bestimmt (Kybernetik 2. Ordnung, Selbstorganisation). Körper und Gehirn sind als Organismus dagegen ein autopoietisches System, fähig sich selbst zu erzeugen und! zu erhalten. Das Gehirn alleine ist ziemlich aufgeschmissen. Ich empfehle den Selbstversuch.
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ok, vielen dank! wenn ich mich nicht mehr melde ist was schief gelaufen #selbstversuch
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mir hat jemand gesteckt das mit dem selbstversuch sei ironisch gemeint gewesen…
ich schließe also, es gibt keine autopoietischen systeme in der gesellschaft. die wirtschaft zb alleine ist ziemlich aufgeschmissen, siehe selbstversuch…
daraus folgt für mich, systemtheorie nach luhmann bricht in sich zusammen.
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vielleicht eher eine diskussionsgrundlage – ein text von walter l. bühl
http://www.vordenker.de/buehl/wlb_grenzen-autopoiesis.pdf
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1. In welchen Punkten unterscheidet sich Ihre Zukunftsforschung von “Horx 2.0″? 2. Wozu braucht es Hirnforschung für die Analyse/Erklärung von komplexen Kulturphänomenen? 3. Wie einverstanden sind Sie mit Ihrem Image, wie es sich seit 2 Jahren in der Web- und Medienöffentlichkeit herausgebildet hat, und der Tendenz ihrer Anhänger zur “Gemeinde”-Bildung? Was würden Sie gerne korrigieren bzw. anders gewichten? 4. Halten Sie eine Cluetrainisierung des Web-Auftritts von Nextpractice für nötig? 5. Was halten Sie von Bent Flyvbjergs “Making Social Science Matter” (über das Problem qualitativer Sozialforschung) und seinen Rückgriff auf Foucault, Geertz und Bourdieu? 6. Werden die exakten Resultate/Daten der Grids der nicht-kommerziellen What’s Next-Studien offengelegt werden? 7. Was ist Ihr operativer Begriff von “Kollektiver Intelligenz”, wie unterscheidet er sich von der “KI-Gen-Theorie” Malones, wie von den Konzepten, die in den Büchern von Surowiecki und Jeff Howe beschrieben sind? 8. Wie sehen Sie die Querverbindungen von “systemischen Therapie”-Ansätzen und Management-Coaching und Management-Beratung? 9. Was ist gegebenenfalls Ihr Begriff von “System”, “soziales System” und “kulturelles System”? 10. Wie stehen Sie zu den aktuell diskutierten Konzepten rund um Enterprise 2.0? Welche Rolle spielt dabei Social Media-Software und Realtime-Web-Software? 11. Was sind die 5 wichtigsten TheoretikerInnen, auf denen Ihr Konzept und Ihre Arbeit aufbaut?
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Deine Fragen Martin sind ja sehr zahlreich:-)
Gibt es eine Prioritaet in der Beantwortung?
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man muss vermutlich trennen zwischen den fragen, die jetzt aktuell wichtig sind, und den tiefergehenden diskussions-fragen. eher schnelle antworten brauchen vermutlich die drei fragenkomplexe:
1. oben recht verkürzt ausgedrückt: es geht um das konzept von “zukunfts- und trendforschung”, auch um den theoretischen begriff der “werte”, wie sie herauslesbar sind aus den grids, und die reichweite der folgerungen, hängt zusammen mit 5. und 6. und 3.;
7. “kollektive intelligenz”, evtl. mit 9. und 11. verbindbar;
3./4./8. lassen sich zusammenfassen zu einer stellungnahme zum eigenen “guru”-image: was ist das dran, warum werde ich so wahrgenommen, was trage ich dazu bei. das wäre zugleich auch die “cluetrainisierung”.
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grosse frage: wer raucht die schnellen antworten:-)))
aber danke fuer die prios!
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An Herrn Rausch:
Ich finde auch nicht alle Fragen passend oder wichtig (gerade das Medienbezogene, wofür ist die Frage nach dem Image wichtig? Da sind Sachen entstanden, die sicher nicht geplant waren, bzgl. Wirkung).
Aber sehr wichtig ist ein ähnliches Verständnis der theoretischen Grundlagen. Wenn da nicht einigermaßen passende Verständnishorizonte existieren, wird es mit der Kommunikation sehr schwierig und das Ganze endet im “Aneinander – vorbei – reden”. Der FAZ – Artikel ist da eigentlich ein gutes Beispiel. Für mich hat das auch nichts mit “beweisen” zu tun, sondern vielmehr mit dem Diskurs über eine gemeinsame theoretische Basis.
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Das sehe ich genauso. Damit möglichst viele Menschen am Thema partizipieren können, finde ich es sinnvoll es so einfach, wie möglich zu machen. Nicht einfacher, aber auch nicht unnötig schwierig =)
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Auch wenn es vielleicht schockiert, aber mein höchster Luxus war es und wird es hoffentlich auch weiterhin sein, dass mir mein Image eher egal ist. Die Idee, dass man ein Image machen und pflegen kann, gehört doch zur Welt 1.0. In den sozialen Netzen müsste ich ja versuchen, mit jedem zu reden, um der Master of the Universe zu sein. Auch wenn das, was ich hier gerade tue, so aussieht, als ob ich das vorhätte – ich werde weiterhin bei dem bleiben, was mir selbst wichtig ist. Mein Narzismus beschränkt sich auf das Vortragspodium. Ja, ich bin eine Rampensau, aber ich habe immer noch sympathisch viel Lampenfieber. Das schöne an der Gemeinde-Bildung im Netz ist ja die Tatsache, das sie ganz von alleine entsteht und auch wieder ganz von alleine vergeht. Vielleicht kann man es nicht oft genug wiederholen: im Netz kann man keine Wirkung erzeugen, die Wirkung wird einem gegeben. Die Währung im Web 1.0 war spontane Aufmerksamkeit, im Web 2.0 ist es gezielt gegebene Anerkennung. In diesem Sinne freut es mich, wenn mir Andere zuhören aber es muß nicht sein – ich lebe auch ganz gut mit dem Netz ohne Wirkung im Netz.
Die Cluetrainisierung des Web-Auftrittes von nextpractice ist ein langgehegter Wunsch, der im Stress des Alltags immer wieder die Segel gestrichen hat. Da bin ich für jede Unterstützung dankbar. Im Moment lerne ich, was ich mit den Netzen und was die Netze mit mir anfangen können – und das ist spannend genug. Je mehr ich lerne, desto eher weis ich, was Cluetrainisierung des Web-Auftrittes von nextpractice am Ende real sein wird. Mein Optimismus ist da so groß wie meine Ausdauer. Gemeinsam mit allen Aktiven bei nextpractice werden wir vielleicht sogar herausfinden, was für uns das Buzz-word enterprise 2.0 am Ende tatsächlich bedeuten wird.
Für die Frage, welche Bücher ich gelesen und welche ich nicht gelesen habe, müssen wir uns mal auf ein Glas Wein in meine Bibliothek zurückziehen. Die Einladung gilt! Bis bald.
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Danke. “Eampensau” war durchaus anerkennend gemeint. Wie ich schon sagte: Der unterentwickelte deutsche Web-Diskurs kann ein paar Profi-Sprecher, die den Cluetrain-Kriterien genügen, weiß Gott gebrauchen. Das hier ist ein Weg dazu. Anstrengend und ungemütlich auch, gerade auch die Einforderung von anstrengender und potenziellen Dissens offenlegender “harter Theorie”, die in der bisherigen Euphoriewelle der deutschen “Netz-Gemeinde” (der Begriff ist bezeichnend)deutlich zu kurz kam. Aber in die zweite Phase sind wir jetzt sowieso ganz generell eingetreten, auch abgesehen von diesem Sturm im Wasserglas hier.
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Mich interessiert Ihre These vom “Kulturraum Internet”. Dazu eine Anregung:
Ich denke ebenfalls, dass im Internet eine Form von Kultur entsteht, habe aber Schwierigkeiten mit dem Begriff des “Raums” in diesem Zusammenhang. Intuitiv würde ich eher davon ausgehen, dass das Netz Raum auflöst – freilich nicht, ohne neue (relationale) Strukturen zu schaffen, für die ich aber nicht unbedingt den Raumbegriff benutzen würde. Um das Netz zu beschreiben und theoretisch zu fassen, würde ich eher bei den Handlungen (und Werten) im Netz ansetzen und den Relationen, die zwischen ihnen entstehen. Diese Struktur könnte man zwar räumlich darstellen, aber sie wäre rapide in Bewegung und würde ständig ihre Form ändern – beides Aspekte, für die ich eher den Begriff der Relation und weniger den des Raumes wählen würde.
Ich habe diese Gedanken nun nicht zu Ende gedacht, würde mich aber über einige Worte zu Ihrer Vorstellung eines “Raums Internet” freuen.
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… und werden die grid-resultate selbst offengelegt?
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kann man das irgendie auslagern? ein netzwerk von freiwilligen interviewern, die draußen ausschwärmen? es gibt ja grid-software auch als web-applikation.
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Die Auslagerung ist eine Idee, die uns auch sehr naheliegend erschien. Allerdings entsteht bei den nextexpertizer-Interviews – wie bei allen qualitativen Verfahren – ein heftiges Problem mit der Qualitätssicherung. Wir haben die Software in etlichen Dissertationen, Diplomarbeiten und Kooperationen bereits zur Benutzung freigegeben und schnell gemerkt, dass ein Werkzeug immer nur so gut ist wie das Bemühen des Nutzers um seine Beherrschung. Wenn sich tatsächlich Menschen finden, die sich freiwillig auf den Anspruch hoher Erhebungsqualität verpflichten und nichts dagegen haben, sich auch daran überprüfen zu lassen, wäre ein solches Projekt ein weiteres fantastisches Beispiel für die Solidität von Netzwerk-Kooperationen. Ein Whats-next-Erhebungsnetzwerk a la Wikipedia? Reflektionshilfe vom Netzwerk für die Entscheidungsträger der Gesellschaft – coole Idee.
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Reboot, neue Zeit, neues Denken…?
Begegnen wir diesem Phänomen “Web_X” im alten Paradigma, d.h. Theorien werden entwickelt, alte mit neuen verknüpft… widerlegt, begutachtet, bewiesen… bis dann der Nächste die aktuell führende Theorie, nach wissenschaftlichen Aspekten belegen oder widerlegen kann – oder sind an diesem Wendepunkt auch neue Wege denkbar? Wenn ja, wie könnten diese aussehen?
Mich interessiert wirklich “what´s next?” – was kommt jetzt, was wird anders sein, was ist die neue Kultur und wie gehen wir mit den neuen Lebensweisen um? Ist es mit diesem Wandel nicht auch an der Zeit eine neue Landkarte zu zeichnen?
Braucht es dazu wirklich noch die (alten) theoretischen Beweise, oder geht es auch mit loslassen und die Dinge einfach zulassen können, ohne wissenschaftlichen Beleg mit den Theorien aus alter Zeit? Was bedeutet in diesem Zusammenhang sich weiter-zu-entwickeln?
Beim beweisen oder widerlegen von Theorien können wieder mal nur die einigen wenigen gehört werden und mitreden (Relevanz in den “Mainstream Medien”) – widerspricht das nicht dem Aufbruch in ein neues Zeitalter?
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Zukunft gestalten ist mein Thema =) Gut, dass die Netzwerkdynamik, da ihren eigen Weg geht und sich nicht beeindrucken lässt. Danke für die Antwort.
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[...] Wir werden den Blog nicht 24/7 “betreuen, aber die Fragen werden zeitnah beantwortet werden. Also einfach bitte her damit – einfach als Kommentar eingeben. Pro Frage eroeffen wir dann einen neuen Post. via blog.whatsnext.de [...]
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Wenn ich die Nextexpertizer Methode bislang richtig verstehe, so basiert diese auf strukturierte Interviews mit dem Ziel Wertesysteme zu identifizieren und zu beschreiben.
Mittlerweile werden im SocialWeb eine Unmenge von Werte, Einstellungen und Erwartungen ausgetauscht – so zumindest meine Wahrnehmung.
Fragen:
Werden sich die Methoden von Trend- und Meinungsforschung in Zukunft verstärkt zu Beobachtungen im SocialWeb Umfeld wandeln? Wird Nextexpertizer 2.0 eine unstrukturierte Beobachtung in ein strukturiertes Wertemodell überführen und somit zu Echtzeitanalyse nutzbar werden?
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schließe mich an. der begriff “wertesystem” gehört in dem zusammenhang noch theoretisch ausgeführt, auch die mögliche reichweite der folgerungen aus den grid-resultaten.
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Sehr optimistisch bin ich dagegen, dass es immer besser gelingen wird, gesellschaftlichen Wertewandel sowie das Enstehen und Vergehen von Resonanzpunkten in der kulturellen Dynamik durch Visualisierung gewichteter Verknüpfungen in Netzwerken zu erfassen. Wer mal längere Zeit mit Google Insigths rumgespielt hat, ahnt schnell den möglichen Erkennismehrwert.
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