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Interviews - Mrz 25, 2010 11:03 - 2 Comments

“Schwimmen, nicht filtern”

Peter Kruse im Interview mit Doris Raßhofer.

Herr Prof. Kruse, ein Teil der Menschheit klagt über eine nicht mehr zu bewältigende Flut von Informationen, ein anderer Teil speist die Flut selbst mit aller Kraft und wachsender Begeisterung. Ist der „Run“ auf die sozialen Netze nur ein kurzfristiger Hype oder Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels?

Peter Kruse: Wir befinden uns mitten in der nächsten Runde der Veränderungen der Gesellschaft durch das Internet. Ich würde mich nicht scheuen sogar von einer Revolution 2.0 zu reden. Schaut man auf die Massen von Menschen, die in den letzten Monaten in die sozialen Netze eingezogen sind, dann haben wir es gewissermaßen mit der ersten großen Völkerwanderung des digitalen Zeitalters zu tun. Der erste Internet-Boom in den 90er Jahren bezog sich auf den Zugang zu Informationen – Sie erinnern sich? AOL, Boris Becker, „ich bin drin“. Die Nutzer waren begeistert von der Vielfalt und Einfachheit, mit der man im Internet findet, was man vorher mühsam suchen musste. Während dieses Zugangs-Booms ist die Vernetzungsdichte explodiert. Aber der wirklich große Schub kam erst im letzten Jahr durch die ernorme Erhöhung des Grades der persönlichen Beteiligung. Zu Anfang haben die meisten Menschen das Internet nur wie Besucher betreten, jetzt sind sie gewissermaßen „mit Haut und Haaren“ eingezogen. Das Internet ist zum eigenständigen Kommunikations- und Kulturraum geworden

Warum haben wir plötzlich solchen Gefallen daran, uns der Öffentlichkeit mit persönlichen Details und privaten Beiträgen zu präsentieren?

Kruse: Ein tiefes Motiv der Menschen für Beteiligung in Netzwerken ist der Wunsch, Spuren zu hinterlassen – und das nicht erst seit es das Internet gibt. Was erhoffen wir uns denn am Ende unserer Tage? Bei anderen Menschen in Erinnerung zu bleiben. Auch der Wunsch nach Kindern spiegelt letztlich in nicht geringen Anteilen diesen Wunsch wider. Da ist natürlich ein Medium recht verführerisch, das jedem verspricht, alltägliches „Gezwitscher“ ebenso sorgfältig zu bewahren wie persönliche Videos oder sorgsam geführte Tagebücher. Insbesondere, wenn man mit seinen Tweets, Bildern oder Blogs im Prinzip jederzeit das Interesse von vielen Millionen Menschen auf sich lenken kann – und das fast ganz ohne die Hilfe der klassischen Massenmedien.

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Studien - Jul 5, 2010 15:46 - 2 Comments

Enquete-Kommission: Internet und digitale Gesellschaft

Beitrag zur öffentlichen Anhörung am 5. Juli 2010

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.”
Antoine de Saint-Exupéry

Vorbemerkung

Der Mehrwert einer Expertenanhörung ist um so größer, je unterschiedlicher die eingebrachten Teilperspektiven sind und je klarer zwischen persönlicher Meinungsäußerung und faktengestützter Einschätzung unterschieden wird. Die im Folgenden zusammengefassten Thesen zu den „Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft“ sind ausschließlich aus dem Blickwinkel psychologischer und systemtheoretischer Erkenntnisse formuliert. Für ein Aufgreifen rechtlicher oder technischer Aspekte fehlt mir persönlich die notwendige Tiefe fachlicher Kenntnisse. Die weiter unten ausgeführten 10 Thesen basieren einerseits auf den Resultaten einer Reihe empirischer Studien, die wir in den letzten Jahren für verschiedene Auftraggeber aus Wirtschaft und Gesellschaft durchgeführt haben sowie andererseits auf Beobachtungen bei der konkreten Begleitung von Unternehmen und Organisationen im Umgang mit den neuen Medien. Bei den empirischen Studien ging es nicht um die Erfassung von bereits laufenden Verhaltensänderungen, sondern um das frühzeitige Aufspüren von Trends und Tendenzen in der Entwicklung der kulturellen Wertvorstellungen, die zukünftigen Verhaltensänderungen zu Grunde liegen. Der Versuch, Zukunft vorherzusagen, ist je sicherer zum Scheitern verurteilt, je mehr die Komplexität und Dynamik von Entwicklungen anwächst. Da die Digitalisierung einer der Haupttreiber für Prozess-beschleunigung und Interaktionsdichte ist, trägt sie selbst nicht unwesentlich zur Erschwerung einer seriösen Abschätzung der entsprechenden Technologiefolgen bei. Zudem ist bezogen auf die Digitalisierung ein Rückgriff auf Erfahrungswerte nahezu unmöglich, da bislang noch keine andere technologische Innovation eine vergleichbare Durchdringungsgeschwindigkeit und Alltagsreichweite gehabt hat. Was bleibt, ist der Rückzug auf die differenzierte Betrachtung gegenwärtig existierender oder sich bildender Einstellungen und Wertmaßstäbe der gesellschaftlichen Akteure. Das Wissen um die aktuellen Präferen-zen der Menschen, die die Zukunft gestalten, liefert noch am ehesten Aussagen über mögliche Auswirkungen.

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Praesentationen - Apr 14, 2010 23:38 - 31 Comments

Ist die Nutzung des Internets eine Glaubensfrage?

Das Internet zu nutzen oder nicht zu nutzen ist keine Glaubensfrage sondern eine Frage sinnvoller Zukunftsorientierung und praktischer Vernunft. So laesst sich in 140 Zeichen der Vortrag von Peter Kruse heute auf der republica in Berlin zusammenfassen.
Hier das Video


Und hier die Folien

republica2010

Hier der Mitschnitt des Livestreams

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